April 13th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Sie haben das Rad des schweißtreibenden Indie-Waverock auf ihrer “Bloodlines EP” nicht neu erfunden, doch bei DÚNÉ (sprich: Dü-nee) läuft es schneller und runder als bei den meisten britischen Nachbarn. Überraschend, denn die Band kommt nicht von der Insel, sondern aus dem beschaulichen dänischen 28.000-Seelen-Kaff Skive.
In ihrer königlichen Heimat hat das Septett mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt, dort erschien die 5-Track-EP auch schon Ende letzten Jahres. Dass auch der Rest Europas DÚNÉ-siert wird, scheint dabei nur eine Frage der Zeit. Denn die Songs der Band um Sänger MATTIAS KOLSTRUP vereinen unüberhörbar Spurenlemente aus den letzten 40 Jahren Musikgeschichte - da haben die blutjungen Dänen (Durchschnittsalter: 18 Jahre!) in ihrer Kindheit sich sicher durch die Plattensammlung ihrer Eltern geforstet.
Die Songs ziehen einen sofort auf die Tanzfläche: Der Titeltrack groovt sich mit stets hektischer Rhythmusabteilung durch harmoniesüchtige Keyboardklänge zu einem rotzigen, aufmüpfigen Chorus, bei dem letztlich niemand mehr stillstehen kann. ‘Robot Beat’ überrascht mit Handclaps, ehe einem mehrstimmig “I won’t surrender to you” entgegengebrüllt wird - man glaubt es ihnen gerne. Und gerade, als man meint, die Band einordnen zu können, setzen DÚNÉ mit dem siebenminütigen ‘Go Go Valentina’ noch einen drauf, wenn Keyboarderin CECILIE DYRBERG einem die Strophen nahezu entgegenhaucht, bevor die Band am Ende doch wieder alles in Grund und Boden spielt.
Sicherlich sollte man keine voreiligen Schlüsse über DÚNÉ ziehen, wenn man gerade einmal fünf Tracks kennt. Aber eins ist klar: Diese Band hat Potenzial, und dem hoffentlich bald nachgelegten ersten Album sollte man auf jeden Fall Aufmerksamkeit schenken.
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April 9th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Man beachte bitte das fehlende zweite ‘L’: Während “Olla Podrida” der Name eines spanischen Nationalgerichts ist, bezeichnet OLA PODRIDA die Band des Musikers DAVID WINGO. Nach längerem Hörgenuss des selbstbetitelten Debütalbums kann ich zweifelsohne sagen: Deutlich leckerer als der Eintopf !
Bislang war WINGO zuständig für die musikalische Untermalung von Filmen des Regisseurs David Gordon Green (aktuell “Snow Angels” und “The Great World of Sound”), doch hatte er sich bislang nicht getraut, auch abseits von bereits feststehenden Bildern seine Musik zu inszenieren. Es gäbe ja schon zu viele schlechte CDs in den Plattenläden, und dem wollte der gebürtige Texaner bloß keine weitere hinzufügen. Mittlerweile ist er 30 Jahre alt - also im besten Alter, auf Grand Hotel van Cleef zu veröffentlichen - und hat sich doch endlich aufgerafft. Zusammen mit seinen Mitstreitern ANDREW KENNY, ROBERT PATTON und MATTHEW FRANK sind ihm elf Songs gelungen, die ihre Zeit brauchen, bis sie ihre volle Wirkung entfalten.
Als großer musikalischer Bezugspunkt sei hier der Neo-Folk von IRON & WINE genannt: WINGOs warme Stimme und ruhig gezupfte Gitarre lassen die meiste Zeit an ein Ein-Mann-Projekt denken, Orgel und Schlagzeug vernimmt man beinahe nicht. Lediglich im bombastischen ‘Cindy’ lassen es OLA PODRIDA einmal krachen - sowieso der Song, der einen am schnellsten in den Bann zieht und sich daher am ehesten auf zukünftige Mixtapes pressen lässt. Doch auch die anderen Lieder wissen letztlich zu überzeugen: ‘Day At The Beach’ zum Beispiel oder der famose Banjo-Country-Schlusspunkt ‘Eastbound’.
Insgesamt ist “Ola Podrida” ein sehr schönes, ruhiges Folk-Album geworden, dem man aber Zeit lassen muss - denn es wächst mit jedem Hördurchgang weiter.
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March 19th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Der Traum eines jeden Musikers ist, nicht nur für die Musik, sondern auch von der Musik leben zu können. Tapete-Labelchef DIRK DARMSTAEDTER hat sich diesen Traum längst erfüllt. Allerdings verkaufen sich seine eigenen CDs nicht wie geschnitten Brot, und dies wird sich leider auch durch sein neues Album “Our Favorite City” nicht ändern.
Dabei hat DIRK DARMSTAEDTER schon seinen Teil zur Pophistorie beigesteuert: 1988 sang er den Superhit ‘Brand New Toy’ für seine ehemalige Band THE JEREMY DAYS. Eines dieser Lieder, die jeder kennt - nur bringt kaum jemand den Wahl-Hamburger mit diesem Song in Verbindung. Nach dem Ende der JEREMY DAYS widmete sich DARMSTAEDTER solo weiter der Musik, zunächst unter dem Synonym ME & CASSITY, seit zwei Jahren nun unter seinem eigenen guten Namen. Gemein haben alle Alben die Singer/Songwriter-Kunst auf höchstem Niveau.
Dass dies auch auf “Our Favorite City” nicht anders ist, wird schon nach wenigen Sekunden des Openers ‘Passing Comet’ klar: Eine lauschige Akustikgitarre zupft sich durch die Gegend, in der Ferne erahnt man eine uralte Orgel. Wenn schließlich Drummer LARS PLOGSCHTIES und die wärmende Stimme von DIRK DARMSTAEDTER einsetzen, ärgert man sich, dass man den Rotwein nicht bereitgestellt hat. Die Aufnahme in Cambridges Dulcitone-Studio, einer ehemaligen englischen Dorfkirche, kommt den zeitlosen Songs zugute, die mal beschwingt, mal traurig rüberkommen. Besonders die ruhigeren Stücke wie der bereits erwähnte Opener, ‘In And Out’ oder ‘Paper Chandeliers’ bauen dabei eine Atmosphäre auf, wie sie nur wenige europäische Singer/Songwriter hinbekommen. Doch auch die schnelleren Lieder wie das fröhliche ‘We Beat The Drum’ und das beinahe rockige ‘We Are Waves’ brauchen sich nicht zu verstecken.
Alles beim Alten also bei DIRK DARMSTAEDTER - und das ist auch gut so!
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March 9th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Ich geb’s ja zu: Ich habe ECHT gehasst, solange es diese Band gab - trotz des zugegeben schmissigen ‘Du trägst keine Liebe in Dir’. Angefreundet mit der Musik der Flensburger habe ich mich erst, als die Band längst Geschichte und das dritte Album “Recorder” auf den Grabbeltischen für fünf Mark zu haben war. Dann aber war die Begeisterung da und das Warten auf KIM FRANKs Solodebüt begann. Jetzt endlich halte ich es in den Händen: “Hellblau”!
Gut Ding will Weile haben: Vier Jahre lang hat KIM FRANK an seinen Songs gesessen, unterbrach den Prozess aber immer mal wieder. Zum Beispiel zu Gunsten seines Kinodebüts “NVA” oder seiner Synchronstimme in Walt Disneys “Himmel und Huhn”. Nun ist aber alles gut, der erste Vorbote ‘Lara’ lässt FRANKs Ankündigung, sich von der Musik ECHTs distanziert zu haben, wie einen schlechten, verspäteten Aprilscherz erscheinen. Welch ein würdiger Nachfolger für ‘Du trägst keine Liebe in Dir’, ein Himmel voller Streicher, gehalten von einer Stimme, die man jahrelang vermisste.
Was aber taugen die restlichen Songs? ‘Zwei Sommer’ prescht munter nach vorne und bettelt damit geradewegs darum, zweite Singleauskopplung zu werden. Der Rest ist Midtempo-Gitarrenpop der Marke ECHT - natürlich, denn das größte Markenzeichen der Flensburger war nunmal die Stimme von KIM FRANK. Manchmal driften die Lieder auf “Hellblau” aber in den Kitsch ab, vor allem, wenn sich die Stimme des Sängers in Tonhöhen wagt, die für ihn nicht erfunden wurden. So werden ‘Zeitlos schön’ und der Titelsong schnell mal zu Skip-Songs - aber das lässt sich bei all der Wiedersehensfreude mit KIM verschmerzen.
Ganz anders sieht es allerdings bei den Texten aus: Zeichneten sich für ECHT namhafte Songwriter wie MICHEL VAN DYKE und BERND BEGEMANN verantwortlich, so hat KIM FRANK diesmal höchstpersönlich die lyrische Feder geschwungen - quasi wie in der Schule. Und so verhält sich das leider auch mit dem Niveau der Texte, die sich hauptsächlich um Frauen und vor allem den Abschied von ebendiesen drehen. Positiv gesehen steckt hier also noch sehr viel Potenzial im 24-Jährigen, welches er dann hoffentlich für das nächste Album besser ausschöpfen kann.
Alles in allem ist “Hellblau”, das Comeback von KIM FRANK, keineswegs misslungen - doch über kurz oder lang greift man dann doch lieber wieder zu den alten ECHT-Scheiben…
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March 7th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Im Juni lockt erneut das Zwillingsfestival HURRICANE / SOUTHSIDE 90.000 Festivalfans für drei Tage in ihre Zelte. Zum Warmwerden gab es im Februar zwei Clubtourneen, zur zweiten waren die Schotten von AEREOGRAMME, THE MAGIC NUMBERS aus England sowie die deutschen Newcomer KARPATENHUND geladen. Flaming Youth war am 25. Februar in der Hamburger Markthalle mit dabei.
Es ist kurz nach 20 Uhr, und im großen Saal der Markthalle ist rein gar nichts los. Dennoch - so ist das Geschäft - müssen KARPATENHUND aus Köln nun loslegen. Dem Quintett, das bis auf die charismatische Sängerin Claire auch bei LOCAS IN LOVE musiziert, macht dies aber nichts aus, macht das Beste aus der Situation und tituliert die handvoll Zuhörer als die Stars des Abends. Ihr Gitarrenpop weiß allerdings über die gesamte Spielzeit von leider gerade einmal 35 Minuten dennoch zu überzeugen. Auf das im Frühjahr erscheinende Debütalbum von KARPATENHUND darf man also gespannt sein.
Eigentlich war als zweiter Künstler des Abends der britische Senkrechtstarter SAM DUCKWORTH, besser bekannt als GET CAPE. WEAR CAPE. FLY vorgesehen. Da dieser kurz vor Beginn der Tour leider krank wurde, schrumpfte das LineUp kurzfristig von einem Quartett zu einem Trio dahin. Dafür dürfen die MAGIC NUMBERS aber schon früher ran und auch länger spielen. Und ihr erster Auftritt überhaupt in Hamburg lockt dann auch endlich die Massen vom Vorraum in den Konzertsaal. Die beiden Geschwisterpärchen um Sänger und Gitarrist ROMEO STODART und Sängerin ANGELA GANNON präsentieren eine bunte Mischung aus ihren beiden umjubelten Alben. Ein Hauch der 60er Jahre liegt bei den Vokalharmonien in der Luft, das Publikum zeigt sich mehr und mehr begeistert vom Quartett. Ob der Single-Hit ‘Forever Lost’, das anschmiegsame ‘I See You, You See Me’ oder das tanzbare ‘Take A Chance’ - THE MAGIC NUMBERS sammeln sich an diesem Abend in der Hansestadt viele neue Fans zusammen.
Als AEREOGRAMME dann unter einer furiosen Lichtshow die Bühne entern, sind die Reihen vor dieser schon wieder etwas spärlicher gesät. Schon vor dem ersten Ton der Schotten wird klar, dass die MAGIC NUMBERS dieses Duell heute für sich entschieden haben. Die Schotten um Sänger CRAIG B lassen sich aber dennoch nicht nehmen, einen sensationellen Start zu erwischen: Dem brillianten ‘Barriers’ vom neuen Album lassen AEREOGRAMME gleich die beiden Knaller des “Sleep And Release”-Albums folgen: Zunächst das zerstörerische ‘Indiscretion #243′, dann zur Beruhigung ‘Black Path’. Danach sind eigentlich alle Fans schon wunschlos glücklich, komme was wolle. Doch die Gruppe überpowert in der Folge ein wenig, verliert sich zeitweise in Gekreische aus einer längst vergessen geglaubten Bandaera. Zum Ende hin wird’s dann glücklicherweise wieder besser, so dass dann letztlich doch alle Zuschauer, die bis zu den Zugaben ausgehalten haben, glücklich nach Hause gehen.
Insgesamt ein gelungenes WarmUp für die Festivals. Ob wir solch eine Clubtour auch im nächsten Jahr wieder erleben werden, bleibt aber dennoch abzuwarten - die Besucherzahlen waren in einigen Städten der Tour doch eher dürftig.
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February 22nd, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Das kennt doch jeder unglücklich Verliebte: Man gibt sich abends die Kante und greift in der Nacht dann kurzerhand zum Handy, um seine Gedanken in einem - so denkt man in dem Moment zumindest - Meisterwerk aus Lyrik und Gefühl per SMS an strategisch wichtige Personen zu schicken. Der perfekte Einfall entpuppt sich aber am verkaterten Morgen als völlig unoriginell und geradezu peinlich. So ähnlich machen das auch Gitarrist DANIEL JOHANSSON und Sänger JOAKIM SVENINGSSON von FRISKA VILJOR - nur schreiben sie Songs statt SMS. Und außerdem ist das Ergebnis auch am nächsten Morgen noch genial.
So lautet zumindest die Legende der Band: Nach simultaner Beendigung ihrer Beziehungen wurde der gemeinsame Kummer in langen Nächten ertränkt und dann schließlich in musikalische Häppchen gezwängt. Kurz zusammengefasst: Alkohol, Frauen, Verbitterung - die drei besten Zutaten, um gute Rockmusik zu kreieren.
Und wie klingen FRISKA VILJOR nun? Gitarrist DANIEL JOHANSSON fasste es im Interview mit FLAMING YOUTH kurz zusammen mit: “Happy music with sad lyrics”. Und damit liegt er genau richtig. Denn trotz der Texte laden Songs wie ‘Oh oh’, ‘Gold’ oder ‘Puppet Cabaret’ direkt zum Tanzen ein. Dass die Instrumentierung mit Mandoline, Trompeten und Glockenspiel je nach Einsatz große Unterschiede ausmachen kann, bemerkt man besonders beim musikalischen Zwillingspärchen ‘Shotgun Sister’ und ‘We are happy now (la la la)’: Während man bei ersterem bedrückt auf seinem Stuhl hin- und herrutscht, treibt einen zweiterer geradewegs auf die Indie-Tanzfläche - dabei haben beide Songs die identischen Lyrics.
‘Four Points’ wiederum klingt wie ARCADE FIRE auf Speed, ‘I gave my Life’ bietet uns sechs Minuten lang unterhaltsame Polka-Rhythmen, ‘Goldfish’ erinnert an das traurige Meisterstück, das uns die COUNTING CROWS noch immer schuldig sind. ‘Monday’ fällt als Elektro-Dancehit zunächst völlig aus dem angefolkten Rahmen und erschließt sich einem erst, wenn die Trompete loströtet. Ach, und wo wir gerade bei Trompeten sind: Selten gab es ein so bewegendes Bläsersolo wie in der Hymne ‘Friskashuffle’, die zudem den mitreißendsten Chorus des jungen Jahres bereithält.
Bravo! Das sind elf brilliante, abwechslungsreiche Lieder, die in erster Linie Hoffnung verbreiten. Darf man im Februar eigentlich schon das Album des Jahres verkünden?
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February 21st, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Wenn einem eine Band aus dem Ort Finsterwalde ihre Songs vorstellen möchte, schwant einem zunächst nichts gutes. Die Angst vor düsterem Dorf-Metal stand mir ins Gesicht geschrieben. Aber halt: Finsterwalde aus Süd-Brandenburg hat ja immerhin fast 19.000 Einwohner, und was drei dieser Bewohner auf ihrem Debütalbum “Young Man Afraid” abliefern, ist Indie-Rock vom Feinsten - zumindest über weite Strecken.
Dabei waren ANDRÉ KUNZE (Gitarre, Gesang), TILO HUSTAN (Schlagzeug, Klavier) und CHRISTIAN HEINRICH (Bass, Fußorgel) noch gar nicht auf der Welt, als Bands wie LED ZEPPELIN, PINK FLOYD und THE WHO den Grundstein für den treibenden Sound legten, den EARTHBEND nun wieder aufleben lassen. Mit durchgetretenem Gaspedal und dennoch eingängigen Gitarren rockt sich das Trio durch 40 Jahre Musikgeschichte, greift hier und da Einflüsse auf, ohne sich aktuell vorherrschenden Trends anzubiedern. Dreiminütige Ohrwürmer wie ‘Hula Road’ oder ‘Tili Turkey’ wechseln sich ab mit psychedelischen Schmankerln wie ‘Sailors’ oder ‘Voices’. Dass das Album von BLACKMAILs KURT EBELHÄUSER produziert wurde, verwundert einen bei den stets sehr erdigen Songs keinesfalls.
Auch, wenn nicht alle 11 Lieder auf “Young Man Afraid” auf gleich hohem Niveau angesiedelt sind, ist EARTHBEND ein überraschend starkes Debütalbum gelungen. Wer hätte so etwas aus Finsterwalde erwartet?
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February 20th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Es gab ein Fach an der Schule, das wie kaum ein anderes die Schülerschaft spalten kann - das MIA. unter den Schulfächern quasi: Französisch. Entweder man hasst oder man liebt es. Ich zählte mich damals eindeutig zu den ersteren und war dementsprechend froh, als ich diese Sprache endlich abwählen konnte. Jetzt, viele Jahre später, trudelte per Post die Rache in Form von “Sur Les Murs” ein.
Ich gebe es unverblümt zu: Das bisschen, was ich auf französisch sprechen und verstehen konnte, habe ich verlernt. Von dahin kann ich mich gar nicht auf die Texte von 10 RUE D’LA MADELEINE stürzen und konzentriere mich ganz auf die Musik. Diese wird als “wilder Mix aus Chanson und RAGE AGAINST THE MACHINE” gepriesen. Wer jetzt behauptet, so eine Mischung sei nicht möglich, der hat vor allem Recht. Und dennoch weiß der Geheimtipp der zugegeben übersichtlichen französischen Indie-Rock-Szene streckenweise zu überzeugen.
Die Einflüsse, die man unter “Chanson” zusammenfassen kann, beziehen sich lediglich auf den Sprechgesang von BRAD BRONSTEIN sowie den Einsatz von Klarinette und Violine. Ansonsten rocken die Gitarren munter nach vorne, ohne aber an das Format der (noch) legendären RAGE AGAINST THE MACHINE heranzukommen. Und dennoch: Der Opener ‘La Classe Americaine’ und der Chorus-Schrei von ‘Vive La Commune’ überzeugen, bringen neuen, frischen Wind ins CD-Regal. Dann flacht das Debüt des Sextetts aber auch schneller ab, als man “purée de pommes de terre” fehlerfrei aussprechen kann. Alle Ideen scheinen bereits in den ersten beiden Liedern verbraten und in den nachfolgenden 10 Songs wiederaufgewärmt worden zu sein.
Schade, denn es ist bei 10 RUE D’LA MADELEINE definitiv Potential vorhanden.
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February 2nd, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Musikrichtungen und die damit verbundenen Irrtümer - Teil 73: Was ist eigentlich Folk? 42% der Befragten antworteten mit “FIDDLER`S GREEN”. Weitere 34% faselten etwas von den DUBLINERS und einer kleinen grünen Insel. Die restlichen 24% antworteten sicherheitshalber gar nicht und nippten lieber weiter an ihrem Guinness. Fürwahr: Es steht nicht gut um dieses Genre. Doch ED CSUPKAY (gesprochen: Tschupkai) ist aufgebrochen, um dies zu ändern. Und es könnte ihm sogar gelingen!
“Das Tier in mir” ist das Debütalbum eines Mannes, der lange Zeit als Tourmanager von Bands wie MOTÖRHEAD, ANTHRAX und MONSTER MAGNET gearbeitet hat. Und man hört es seiner rauchigen Stimme in jedem gesungenen Wort an: ED CSUPKAY hat in seinem Leben schon eine Menge erlebt. Das Fundament seiner Songs bilden eine Akustikgitarre, die Lap Steel der lebenden Legende TEX MORTON, die vom Sänger selbst eingespielte Mandoline und Geige. Doch auch immer wieder gern aber dennoch selten gehörte Instrumente wie Akkordeon, Mundharmonika oder Hammondorgel - letztere übrigens eingespielt von SVEN REGENER, zugleich Produzent des Albums und größter Förderer von CZUPKAYs Talent. Kein Wunder also, dass der Bremer mit ungarischen Wurzeln dessen Band ELEMENT OF CRIME im Februar supporten darf.
Nichtsdestotrotz passt diese Tourkonstellation aber wie die Faust aufs weinende Auge. In CSUPKAYs Liedern geht es um Herzschmerz, um die große Kunst des Vergessens (oder doch eher ums Nicht-Vergessen-Können), ums Verlassen und Verlassenwerden. Passend dazu dümpeln die bedrückenden Lieder maximal im Mid-Tempo rum. Mal ist ED CSUPKAY dabei dem Blues ganz nah, mal dem Country. Mal glaubt man sogar, einen neuen alten FINK-Song zu hören. Und auch seine ungarischen Wurzeln hört man immer wieder raus. Doch trotz der zumeist rauhen Songs: Die zuckersüßen Melodien in ‘Loch in der Brust’ oder der abschließenden Hymne ‘Holstein’ könnten sogar beinahe zum fröhlichen Schunkeln einladen - wenn nur diese deprimierenden Texte nicht wären.
Keines der zehn Lieder möchte geskippt werden, jeder Song für sich ist eine traurige Perle. “Das Tier in mir” ist daher ein mehr als beachtliches Debütalbum. Folk’s not dead!
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February 2nd, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Im vergangenen Jahr tourten mit LLOYD COLE, CHRISTIAN KJELLVANDER und DIRK DARMSTAEDTER drei Songwriter gemeinsam durch Deutschland und gewannen auf der intimen ersten “Sit down and sing”-Tour eine Menge Herzen. Im Januar ging dieses Konzept nun in eine zweite Runde, Flaming Youth war beim Abschlusskonzert im Hamburger Knust am 27. Januar mit dabei.
Diesmal heißen die Protagonisten WOLKE, KRISTOFER ÅSTRÖM und MARIA TAYLOR. Im Vorfeld macht sich Skepsis breit: Passt das? Ein deutsches Indie-Duo, ein einsamer schwedischer Songwriter und eine US-Sängerin aus dem Hause Saddle Creek - dies klingt zunächst einmal nach einem zufällig zusammengewürfelten Künstlertrio, das gerade verfügbar war. Doch dass sich Tapete Records bei der Auswahl schon etwas bei gedacht hatte, wird bereits beim Auftritt der beiden den Abend einleitenden Kölner von WOLKE klar.
BENEDIKT FILLEBÖCK nimmt an seinem Klavier Platz (übrigens der einzige Musiker, der sich an das “Sit down” hält - dafür singt er aber nicht!), OLIVER MINCK füllt die Melodiespuren dank seiner klaren Stimme mit Leben. Auf den normalerweise eingesetzten Bass und die elektronischen Beats verzichtet das Duo diesmal vollends, was besonders ob des fehlenden Gepluckers zumindest ein kleines bisschen schade ist. Highlights bilden das von MINCK eingespielte Xylophon in ‘Radfahren, lesen, Freunde treffen’, der ‘Walzer No. 1′ im original wiegenden Drei-Viertel-Takt und das auch ohne Bassline überzeugende ‘Second Hand Gefühl’. Und auch die beiden anderen Protagonisten dürfen sich schonmal warmsingen: KRISTOFER ÅSTRÖM duettiert auf dem eingedeutschten QUEEN-Cover ‘Ich will mich befreien’ (’I want to break free’) und MARIA TAYLOR übernimmt wagemutig die Rolle von KLEE-Sängerin SUZIE KERSTGENS in ‘Wir werden immer jünger’ - traurig schön, gerade weil ihr Deutsch auch nach zweieinhalb Wochen noch immer sehr holprig daherkommt.
Als zweites darf dann KRISTOFER ÅSTRÖM ran. Auch er verzichtet zugunsten einer erhöhten Intimität auf seine Backingband HIDDEN TRUCK, eine Akustikgitarre reicht im proppevollen, aber nun mucksmäuschenstillen Knust aus, um seine traumhaften Songs zu begleiten. Gut, dass der einstmalige FIRESIDE-Sänger eines Tages erkannte, dass seine Stimme besser im Northern Blues beheimatet sein sollte. Seine gefühlvollen Lieder über die Liebe und den damit meist verbundenen Kummer begeistern auch die Zuschauer im Knust. Und auch der Schwede lädt seine Tourbegleiter zum gemeinsamen Musizieren während seines Sets ein: MARIA TAYLOR unterstützt ihn bei seinem herzzerreißenden ‘Better than the Night’, und beim ELVIS-Cover ‘Always on my Mind’ darf dann auch OLIVER MINCK nochmal ins Mikrofon hauchen. Herrlichst!
Den krönenden Abschluss dieses lauschigen Abends bildet dann schließlich MARIA TAYLOR. Diese hat vergleichsweise eine richtige Big Band mitgebracht und betritt gemeinsam mit ihrem Bruder MACEY am Bass und dem Gitarristen DAN MCCARTHY von ihren Saddle Creek Labelmates THE GOOD LIFE die Bühne. Die AZURE RAY-Sängerin hat mit “Lynn Teeter Flower” (VÖ 02.03.) ein neues Werk im Schlepptau. Mit ihrer zauberhaften Stimme liefert sie bereits die ersten Kostproben ab, zieht die geringfügig spärlicher besetzten Reihen im Knust vom ersten Moment an in ihren Bann. Zu ‘Not a Lovesong’ darf auch KRISTOFER ÅSTRÖM nochmal auf die Bühne, und wieder ist man ganz fasziniert, wie gut die Stimmen der beiden Künstler harmonieren. Das Publikum ist begeistert, und spätestens bei der phänomenalen Zugabe brechen dann alle Dämme: Alle Musiker der “Sit down and sing”-Tour stehen noch einmal gemeinsam an den Mikrofonen und singen Cindy Laupers “Time after Time”. Eine musikalische Sternstunde. Und so wünscht man sich dann auch insgeheim, dass die Musiker nach diesem perfekten Abschluss nicht noch einmal auf die Bühne zurückkehren. Ja, auch dieser Wunsch wird einem an diesem Abend erfüllt…
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