June 11th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Innerhalb von gerade einmal zweieinhalb Jahren schmissen BIFFY CLYRO ihre ersten drei Alben auf den Musikmarkt. Nach ebensolanger Pause sind die Schotten nur mit “Puzzle” zurück - und bereit für den großen Sprung.
Denn obwohl bislang jede Veröffentlichung des Trios von Kritikern in höchsten Tönen gelobt wurde, blieb BIFFY CLYRO der kommerzielle Erfolg verwehrt. Man agierte weiterhin als Support von Bands wie THE COOPER TEMPLE CLAUSE oder WEEZER und spielte die Mainacts weiterhin wie selbstverständlich an die Wand. Vielleicht waren besonders “The Vertigo Of Bliss” und “Infinity Land” einfach zu verspielt, zu große musikalische Wundertüten, hatten zu viele Haken und Ösen, zu viele Puzzleteile?
Dies ändert sich nun ausgerechnet auf dem vierten Album “Puzzle”, dem ersten Major-Album der Bandgeschichte. Hatte es die Band bislang immer eilig, aus dem Studio wieder rauszukommen, ließ man sich diesmal Zeit bei der Produktion, bekam mit GARTH RICHARDSON prominente Hilfe. Diese zahlt sich aus, denn “Puzzle” ist das bislang eingängigste und dennoch anspruchsvollste Werk der Band.
Dabei entpuppen sich die meisten Songs als Spätzünder. Erst in der zweiten Songhälfte gibt es förmlich eine Explosion, die aus zuvor nett rumdümpelnden Melodien den Hymnencharakter herauskitzelt. Das Herzstück der Platte, ‘9/15ths’, wird bereits in zwei Zwischensequenzen angerissen, ehe es im vorletzten Track seine gesamte, mitweilen psychotische, Schönheit entfaltet - Streicherarrangement inklusive. Aber auch zuvor verwöhnen uns BIFFY CLYRO mit großer Musik: ‘Folding Stars’ ist das wohl beste, herzerreißende WEEZER-Stück seit OZMA, ‘As Dust Dances’ geht den Weg von einer Ballade zu einem Gitarrenepos und zurück, ‘Who’s Got A Match’ ist QUEENS OF THE STONE AGE in der Light-Version. Eine Hymne jagt die nächste.
Kurz und knapp: Mit ihrem vierten Album haben sich BIFFY CLYRO erneut selbst übertroffen!
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May 29th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Verträumt? Melancholisch? Aus Schweden? Was man so über CLARKs neue CD “Our Best 2nd Album” zu lesen bekommt, klingt äußerst vielversprechend. Also wird schnell eine Flasche Rotwein geköpft und sich mit dem Album im Player bei Kerzenschein auf dem Sofa gemütlich gemacht.
Doch was ist nach dem ersten Hördurchgang, nach den knapp über 40 Minuten hängengeblieben? Lediglich die Erkenntnis, dass man beim nächsten Mal doch besser den Wein aus einem höheren Regal nimmt. Die Musik von CLARK plätschert an einem vorbei, ohne wehzutun. aber vor allem ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Das kann doch nicht alles sein?
Aber man gibt den Schweden natürlich noch eine Chance. Wer im Heimatland mehrere Top Ten Hits hatte, wer in China gar vor 40.000 begeisterten Zuschauern spielen darf, kann doch so schlecht nicht sein. Also diesmal zwei Euro mehr in den Fusel investiert, am Ergebnis allerdings ändert sich nichts: Belanglose Pop/Rock-Musik von Anfang bis Ende. Banale Lyrics, viel BON JOVI-Stadionrock, viele “Yeah”s und “Oooh”s. Oder liegt es einfach am zu guten Wein?
Daher der letzte Versuch, mit dem guten 19-Cent-Mineralwasser von Aldi. Doch auch diesmal möchte das zweite Album von CLARK einfach nicht zünden. Man kann dem Quintett um die Sänger ANDERS GRAHN und ALEXANDER HOLMGREN zumindest zu Gute halten, dass seine Musik nicht nervt, dass man sie problemlos leise im Hintergrund laufen lassen kann, wenn man Besuch hat - zwischen MAROON 5 und REAMONN. Aber hängenbleiben möchten CLARKs Songs einfach nicht. Schade.
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May 28th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Man muss nicht lange in die Musik von VOXTROT reinhören, um die Herkunft der Band auf der britischen Insel zu vermuten. Schottland vermutlich? Immerhin klingen BELLE & SEBASTIAN immer wieder raus. Doch weit gefehlt: Das Quintett um Frontmann RAMESH SRIVASTAVA stammt aus Austin, Texas und ist in den Staaten mittlerweile eine große Nummer.
So ganz verwunderlich ist der britische Sound dann aber doch nicht, denn der Sänger studierte drei Jahre lang in Glasgow, schickte seine neuen Demos immer brav über den Atlantik an seine Bandkollegen. Als sich urplötzlich ein Manager für VOXTROT fand, war SRIVASTAVA aber schnell zurück in Austin. Der Rest ist schon jetzt Geschichte: Die ersten EPs “Raised By Wolves” und “Mothers, Sisters, Daughters & Wives” sorgten 2005 und 2006 für offene Münder in ganz Bloghausen, und so verwunderte es nicht weiter, dass mit der dritten EP “Your Biggest Fan” der Einstieg in die Billboardcharts zwischen BEYONCÉ und NELLY gelang. Die Indie-Welt war bereit für den ersten Longplayer. Die fünf Texaner hätten es sich leicht machen können, hätten die alten Songs einfach neu abmischen können und ein Hitalbum gelandet. Stattdessen veröffentlichen sie aber 11 völlig neue Songs, wodurch die längst vergriffenen EPs zu horrenden Preisen bei eBay gehandelt werden.
Musikalisch verwöhnt uns das Quintett mit nahezu perfekten Popsongs. Die Gitarren halten sich gerne im Hintergrund, lassen häufig dem Piano und der Stimme SRIVASTAVAs den Vortritt. Im balladesken ‘Steven’ und im groovigen ‘Every Day’ mischen sich Streicher ein, nur im Mittelteil wird ein wenig forscher gerockt. ‘Brother In Conflict’ und das im Refrain teils an ‘Fuck Forever’ erinnernde ‘Firecracker’ sind sogar etwas für den Indie-Dancefloor.
Alles in allem ein wunderschönes, luftiges Album voller Midtemposongs. Von VOXTROT wird man in Zukunft sicher noch eine Menge hören.
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May 25th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Man hatte sie fast aufgegeben: Nach dem saft- und kraftlosen “Lifeblood” im Jahre 2004, das sich völlig im Bombast verlor, schien das Ende der MANIC STREET PREACHERS nah - zumal Bassist NICKY WIRE und Sänger JAMES DEAN BRADFIELD im vergangenen Jahr ihre Solodebüts in die Musikwelt rausschickten. Doch weit gefehlt: Die MANICS sind zurück - mit dem besten Album seit langer langer Zeit!
“Send Away The Tigers” beginnt so, wie man es als logische Weiterführung des bisherigen Schaffens erwarten konnte: Orgelklänge, dann eine einsetzende Gitarre. Doch statt dann wieder einen pompösen Kitschbrei zu kreieren, besinnt sich das walisische Trio auf seine Stärken der Neunziger Jahre: Uptempo-Ohrwürmer mit rockender Gitarre, und BRADFIELDS Stimme darf sich auch mal wieder überschlagen!
Letztlich sind es zwar nur 10 Songs in extrem kurzweiligen 38 Minuten geworden, obwohl die Band über 30 Stücke geschrieben haben soll. Keines der Lieder fällt negativ auf, zwei Songs aber krönen das Comeback der MANICS, denen man endlich wieder anhört, dass Punkbands wie THE CLASH oder die SEX PISTOLS sie in ihrer Jugend beeinflussten. Einer davon ist die Single ‘Your Love Alone Is Not Enough’, ein fröhlich anmutendes Duett mit CARDIGANS-Sängerin NINA PERSSON. Zweites Highlight ist der ‘Autumnsong’, in dem auch der diesmal ansonsten weitgehend verschmähte Bombast zurückkehrt - zusammen mit wütenden Riffs, einem unglaublichen Gitarrensolo und der eindringlichen Stimme BRADFIELDS nicht mehr und nicht weniger als eine der größten Hymnen dieses Jahres.
Also heißt es durchatmen: Die MANIC STREET PREACHERS haben mit “Send Away The Tigers” in die Spur zurück gefunden. Auf dass auch die nächsten 20 Jahre Bandgeschichte rocken werden!
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May 25th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
1997 war schon ein komisches Jahr: Während Bill Clinton Präsident wurde und South Park auf Comedy Central seine Premiere feierte, formierten sich im Musikbereich vor allem die - Achtung böses Wort - Emopopbands zu ihren ersten Höhenflügen: JIMMY EAT WORLD, MINERAL, PROMISE RING - sie alle schafften in diesem Jahr den Durchbruch und inspirierten viele tausend Teenager, ebenfalls solche Musik zu machen.
Von daher ist es schon ansatzweise naheliegend, dass sich eine Band schlicht und einfach nach diesem schicksalsträchtigen Jahr benennt. So weit, so schlecht. Was uns 1997 aber auf ihrem Debütalbun “… A Better View Of The Rising Moon” auftischen, ist dann aber überraschenderweise sehr erfrischend. Eben gerade, weil die Band sich nicht als der millionste Screamo-Aufguss präsentiert, sondern tatsächlich zehn Jahre zurückschaut und mehr oder weniger auf Popmusik setzt.
Prunkstück in der Musik von 1997 sind die Vokalharmonien von Sänger Kevin Thomas und Sängerin Kerri Popp. Mal im Duett, mal alleine, mal gleichzeitig gemeinsam trällern sie sich traumwandlerisch durch ihre 12 Songs, in denen die Melodien groß geschrieben werden. Das Ganze klingt dann in etwa so, als wenn die hochgelobten MATES OF STATE ihre Elektronik durch ein paar Punkgitarren ausgetauscht hätten.
So wirklich nach 1997 und den großen Vorbildern klingen die fünf Musiker aus Chicago nur in manchen Momenten, z.B. in ‘Dropping Dimes’ oder ‘Lovelikepoetry’. Ansonsten zeigt sich die Band aber äußerst vielseitig, wirkt sowohl balladesk (’Grace’), fröhlich-poppig (’Garden Of Evil’) als auch folkig (’Tennessee Song’) für ihr junges Alter schon sehr gefestigt. Ein schönes, buntes Debüt, das das Zeug hat, das Album schlechthin für die warmen Sommertage zu werden. Ob man es dann auch im Winter noch lieb hat, wird sich erst noch zeigen…
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May 8th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Ich gebe es zu: Ich habe FINK geliebt! Nach jedem ihrer Konzerte war ich beseelt und hörte wochenlang danach nur ihre CDs - bis sie aber irgendwann doch wieder verstaubten. FINK waren doch irgendwie immer eine Live-Band. Waren? Ja, Sänger NILS KOPPRUCH hat seine Combo im letzten Jahr aufgelöst, um sich mehr der Malerei widmen zu können. Und seinem ersten Solo-Album, das nun endlich vorliegt.
Da ist sie also wieder, diese rauchige, näselnde Stimme des NILS KOPPRUCH, die auch schon das größe Erkennungsmerkmal bei FINK war. Insofern ist “Den Teufel tun” auf den ersten Blick so ziemlich genau das, was man erwartet und erhofft hatte: FINK in (noch) ruhiger. Entstanden ist eine abwechslungsreiche Singer/Songwriter-Platte, die mehr im Folk-Sektor angesiedelt ist als in den angestammten Country-Gefilden.
Allein schon der Titelsong und Opener ‘Den Teufel tun’ dürfte jedem FINK-Fan die ein oder andere Träne entlocken. Insgesamt sind es aber wieder einmal die Kleinigkeiten, die - neben der charakteristischen Stimme KOPPRUCHs - den Unterschied zu einer 08/15-Platte ausmacht: die Geigen in ‘Komm küssen’ zum Beispiel oder die Mundharmonika in ‘Nicht die Bienen’. Im düsteren und auch ausnahmsweise rockigen ‘Heimweh’ wird zudem mit dem durch diverse Weltmeisterschaften wiedererstarkten Nationalismus abgerechnet.
Dies sind dann aber auch die Highlights eines Werks, das trotz Mithilfe von Musikern wie PETER LOHMEYER oder CLICKCLICKDECKER ein typisches Solo-Album geworden ist. Ein Album für die ruhigen Momente, das aber im Vergleich mit dem artverwandten “Das Tier in mir” von ED CSUPKAY leider nicht ganz mithalten kann.
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May 8th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
MUTE MATH. Wieder so eine Band, die von sich behauptet, alle guten Einflüsse aus den letzten vierzig Jahren in ihr künstlerisches Schaffen eingebaut, alles kräftig durchgemischt und damit tolle neue Musik konstruiert zu haben. Wieder so eine Band, die damit aber verdammt Recht hat!
Die Band um Sänger und Keyboarder PAUL MEANY fand damals im Proberaum viel altes Equipment, welches sich nichtsdestotrotz noch immer wunderbar zur Klangerzeugung eignete. Es wimmelte nur so von Radio Shack-Billigmikros, kaputten Plattenspielern und sonstigen Elektronik-Gimmicks, selbst eine seit Jahrzehnten aus der Mode gekommene Keytar wurde reaktiviert. MUTE MATH haben also eine Menge Elektronik in ihre Rockmusik eingepflanzt, aber gerade diese Mischung aus Synthetik-Arrangements und verträumten bis kraftvollen Gitarrenriffs macht dieses Debütalbum so großartig.
Wenn man so vor sich hinexperimentiert und einen Klangeffekt über den anderen mischt, läuft man natürlich Gefahr, dass die Musik letztlich völlig überladen ist. MUTE MATH aber haben genau die richtige Mischung gefunden. In Songs wie ‘Stare At The Sun’ oder dem Siebenminüter ‘Stall Out’ baut die Band gar eine Klang-Atmosphäre auf, wie man sie sonst nur noch von DREDG kennt. ‘Typical’ hingegen könnte eine verschollene INCUBUS-Perle sein, und ‘Chaos’ zappelt sich mit treibenden Basslinien und bockigem Rhythmus beim packenden Chorus zur Höchstform auf. Zumal über allem auch noch die phantastische Stimme MEANYs thront, die manchmal positiv an STING in seinen besten POLICE-Phasen erinnert.
MUTE MATH haben auf ihrem Debütalbum ein unglaublich homogenes, dennoch abwechslungsreiches Werk abgeliefert, das vor experimentellen, aber dennoch stets eingängigen Songs nur so wimmelt. Live ist das Quartett sogar noch einen Tick toller, deshalb lohnt es sich auch, bei der limitierten Edition mit Live-CD zuzugreifen. Die Band ist es wert!
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May 4th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Wir sind alle in der myspace-Falle. Eine der beliebtesten Bands dieser Community ist die Screamo-Band DROP DEAD, GORGEOUS, die mit ihrem Debütalbum “In Vogue” in den U.S.A. hohe Wellen schlug. Nun ist Europa an der Reihe!
Mehr als zweeinhalb Minuten braucht die Band nicht pro Song, um alles in Grund und Boden zu spielen. Wer UNDEROATH liebt, wird DROP DEAD, GORGEOUS - ja, das Komma im Bandnamen macht durchaus Sinn! - zumindest mögen. Das Pianointro im Opener ‘Dressed For Friends Request’ lässt einen zwanzig Sekunden lang grübeln, ob man wirklich die richtige CD im Player hat, doch dann legen die Stakkato-Gitarren und das Gebrüll von Gitarrist KYLE BROWNING los - und hören so schnell auch nicht mehr wieder auf.
Natürlich sind die Refrains der Songs, wenn Sänger DANNY STILLMAN einsetzt, durchaus melodiös. Natürlich haben die Lieder auch ihre Ruhepausen zum Durchatmen, nur um dann wieder mit voller Wucht loszudüsen. Natürlich ist das alles noch einen Tick schneller, härter, wilder als bei allen bisherigen Screamo-Bands. Wie immer, wenn ein neuer Hype entsteht. Aber mal ehrlich: Braucht man das noch? Die Musik von DROP DEAD, GORGEOUS wirkt genauso konstruiert wie die gesamte Band, bietet aber keinerlei Innovation. Die einzige Motivation scheint es zu sein, für möglich viele Kids die möglichst böseste und damit auch coolste Screamo-Band zu sein. Der Plan geht auf - und die CD zurück in ihr Jewel-Case.
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May 4th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Wer sich aufmerksam durch die Musikblogs dieser Welt klickt, wird jetzt gähnen und sich denken, FLAMING YOUTH sei aber spät dran. Fakt ist aber, dass die seit über einem Jahr im Internet gehypeten Kanadier von MALAJUBE erst jetzt ihr zweites Album “Trompe-L’Oeil” auch hier veröffentlichen. Finalement!
Natürlich ist es erstmal ein wenig schwierig für uns frankophobe Indienasen, sich damit anzufreunden, dass uns die Frontshouter JULIEN MINEAU und THOMAS AUGUSTIN auf französisch beschallen. Als guten Einstiegskandidat hat das Quintett aber ‘Montréal -40°C’ mit an Bord, einen beschwingten, sommerlichen Pophit mit einem Chorus, den man an jedem Zipfel der Welt mitsingen kann. Und so langsam traut man sich dann auch an die anderen Stücke, die abwechslungsreicher gar nicht sein können.
Da hätten wir zum Einen ‘Fille à Plumes’, eine aufgekratzte Progwalze zu Beginn mit nervösem Wechselgesang, bevor sich der Chorus ein wenig gemächlicher gibt. Und ehe man sich versieht, findet man sich dann doch auf dem Dancefloor wieder, denn verdammt tanzbar ist die Nummer auch noch. Dass MALAJUBE aber nicht nur auf Krawall gebürstet sind, sondern auch verhältnismäßig ruhigere Töne anschlagen können, beweist die gefühlvolle Ballade ‘Étienne D’Août’, in der das Keyboard und Hintergrundgesänge im Vordergrund stehen - klingt irgendwie widersprüchlich, ist aber so.
Und dann tummelt sich in der Mitte des Albums auch noch der Übersong schlechthin: ‘La Monogamie’ beginnt wie eine Classic-Rock-Ballade, offenbart in seinen fünf Minuten aber mehr Ideen als WEEZER auf ihrem gesamten grünen Album. Spätestens wenn der Song in seinen letzten zwei Minuten in eine wahre Hymne übergeht, mag man auch plötzlich mitsingen: “Et tu danse danse danse toute la nuit”. Das versteht man sogar, wenn man in der Schule nicht aufgepasst hat.
Worum es in den Texten geht? Um Katastrophen und Schicksalsschläge im Allgemeinen, meint Bassist Mathieu Cournoyer. Aber diese spielen nur eine Nebenrolle bei der Musik von MALAJUBE, die auch ohne dieses Verständnis wirkt. Wenn man bei jedem Hördurchgang etwas Neues entdeckt, weiß man, dass es ein gutes Album ist. Bei “Trompe-L’Oeil” ist es selbst beim hundertsten Durchlauf noch so.
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April 24th, 2007
erschienen bei flamingyouth.de:
Vertieft in die gut gefallende Musik des neuen POETS OF THE FALL-Albums klingelt plötzlich das Telefon. Also schnell die Anlage leise drehen und den Hörer suchen - könnte ja wichtig sein! Dummerweise bringe ich die Reihenfolge leicht durcheinander, und so werde ich dann am anderen Ende mit den Worten begrüßt: “Sascha, seit wann hörst Du NICKELBACK?” Und plötzlich find ich POETS OF THE FALL erstmal gar nicht mehr so toll…
Wenn man Bands von außerhalb der großen Musikstaaten rezensiert, wollen einem die Labels immer weismachen, dass sie in ihrer Heimat schon Megastars sind. Bei POETS OF THE FALL stimmt dies sogar ausnahmsweise: Ihr Debüt “Signs Of Life” wurde quasi über Nacht zum erfolgreichsten Album der finnischen Musikgeschichte, und auch einen MTV Europe Music Award als beste finnische Band haben sie schon eingeheimst. Da oben hat man also mit u.a. THE RASMUS und HIM weltweit kommerziell erfolgreiche Combos als Konkurrenz abgehängt. Und ja, man muss das Schlimmste befürchten, wenn einem eingetrichtert wird, dass das Trio aus Helsinki drei Musikwelten verbindet. Weil MARK ein Rocksänger ist, OLLIE als Jazzgitarrist unterwegs war und Produzent und Keyboarder CAPTAIN gar einst in Industrialgefilden wilderte. Hab ich jetzt endgültig alle Leser verschreckt?
Denn mal ganz ehrlich und nüchtern betrachtet: Die Musik von POETS OF THE FALL ist nämlich gar nicht mal so schlecht. Die zwölf Vierminüter auf ihrem Zweitwerk “Carnival Of Rust” rocken munter drauflos. Mal kommen kurze Metal-Anleihen durch (’Sorry Go ‘Round’), mal brillieren sie aber auch durch gefühlvolle Balladen (’All The Way / 4U’). MARKS Stimme kann dabei mehr als nur wie nach NICKELBACK klingen, kommt auch mal in ungeahnten Höhen daher (’Dawn’).
Natürlich ist dieses Album nicht sonderlich innovativ, aber muss es das denn? Hat es deshalb keine Daseinsberechtigung? POETS OF THE FALLs “Carnival Of Rust” bekommt von mir den ‘NICKELBACK in gut’-Sticker aufgedrückt. Ein schönes Album, auch wenn es offenbar nicht die Tiefe besitzt, das Telefon einfach klingeln zu lassen.
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