Archive for the ‘CD-Rezensionen’ Category

1997 - … A Better View Of The Rising Moon

Friday, May 25th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

1997 war schon ein komisches Jahr: Während Bill Clinton Präsident wurde und South Park auf Comedy Central seine Premiere feierte, formierten sich im Musikbereich vor allem die - Achtung böses Wort - Emopopbands zu ihren ersten Höhenflügen: JIMMY EAT WORLD, MINERAL, PROMISE RING - sie alle schafften in diesem Jahr den Durchbruch und inspirierten viele tausend Teenager, ebenfalls solche Musik zu machen.

Von daher ist es schon ansatzweise naheliegend, dass sich eine Band schlicht und einfach nach diesem schicksalsträchtigen Jahr benennt. So weit, so schlecht. Was uns 1997 aber auf ihrem Debütalbun “… A Better View Of The Rising Moon” auftischen, ist dann aber überraschenderweise sehr erfrischend. Eben gerade, weil die Band sich nicht als der millionste Screamo-Aufguss präsentiert, sondern tatsächlich zehn Jahre zurückschaut und mehr oder weniger auf Popmusik setzt.

Prunkstück in der Musik von 1997 sind die Vokalharmonien von Sänger Kevin Thomas und Sängerin Kerri Popp. Mal im Duett, mal alleine, mal gleichzeitig gemeinsam trällern sie sich traumwandlerisch durch ihre 12 Songs, in denen die Melodien groß geschrieben werden. Das Ganze klingt dann in etwa so, als wenn die hochgelobten MATES OF STATE ihre Elektronik durch ein paar Punkgitarren ausgetauscht hätten.

So wirklich nach 1997 und den großen Vorbildern klingen die fünf Musiker aus Chicago nur in manchen Momenten, z.B. in ‘Dropping Dimes’ oder ‘Lovelikepoetry’. Ansonsten zeigt sich die Band aber äußerst vielseitig, wirkt sowohl balladesk (’Grace’), fröhlich-poppig (’Garden Of Evil’) als auch folkig (’Tennessee Song’) für ihr junges Alter schon sehr gefestigt. Ein schönes, buntes Debüt, das das Zeug hat, das Album schlechthin für die warmen Sommertage zu werden. Ob man es dann auch im Winter noch lieb hat, wird sich erst noch zeigen…

Nils Koppruch - Den Teufel tun

Tuesday, May 8th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Ich gebe es zu: Ich habe FINK geliebt! Nach jedem ihrer Konzerte war ich beseelt und hörte wochenlang danach nur ihre CDs - bis sie aber irgendwann doch wieder verstaubten. FINK waren doch irgendwie immer eine Live-Band. Waren? Ja, Sänger NILS KOPPRUCH hat seine Combo im letzten Jahr aufgelöst, um sich mehr der Malerei widmen zu können. Und seinem ersten Solo-Album, das nun endlich vorliegt.

Da ist sie also wieder, diese rauchige, näselnde Stimme des NILS KOPPRUCH, die auch schon das größe Erkennungsmerkmal bei FINK war. Insofern ist “Den Teufel tun” auf den ersten Blick so ziemlich genau das, was man erwartet und erhofft hatte: FINK in (noch) ruhiger. Entstanden ist eine abwechslungsreiche Singer/Songwriter-Platte, die mehr im Folk-Sektor angesiedelt ist als in den angestammten Country-Gefilden.

Allein schon der Titelsong und Opener ‘Den Teufel tun’ dürfte jedem FINK-Fan die ein oder andere Träne entlocken. Insgesamt sind es aber wieder einmal die Kleinigkeiten, die - neben der charakteristischen Stimme KOPPRUCHs - den Unterschied zu einer 08/15-Platte ausmacht: die Geigen in ‘Komm küssen’ zum Beispiel oder die Mundharmonika in ‘Nicht die Bienen’. Im düsteren und auch ausnahmsweise rockigen ‘Heimweh’ wird zudem mit dem durch diverse Weltmeisterschaften wiedererstarkten Nationalismus abgerechnet.

Dies sind dann aber auch die Highlights eines Werks, das trotz Mithilfe von Musikern wie PETER LOHMEYER oder CLICKCLICKDECKER ein typisches Solo-Album geworden ist. Ein Album für die ruhigen Momente, das aber im Vergleich mit dem artverwandten “Das Tier in mir” von ED CSUPKAY leider nicht ganz mithalten kann.

Mute Math - Mute Math

Tuesday, May 8th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

MUTE MATH. Wieder so eine Band, die von sich behauptet, alle guten Einflüsse aus den letzten vierzig Jahren in ihr künstlerisches Schaffen eingebaut, alles kräftig durchgemischt und damit tolle neue Musik konstruiert zu haben. Wieder so eine Band, die damit aber verdammt Recht hat!

Die Band um Sänger und Keyboarder PAUL MEANY fand damals im Proberaum viel altes Equipment, welches sich nichtsdestotrotz noch immer wunderbar zur Klangerzeugung eignete. Es wimmelte nur so von Radio Shack-Billigmikros, kaputten Plattenspielern und sonstigen Elektronik-Gimmicks, selbst eine seit Jahrzehnten aus der Mode gekommene Keytar wurde reaktiviert. MUTE MATH haben also eine Menge Elektronik in ihre Rockmusik eingepflanzt, aber gerade diese Mischung aus Synthetik-Arrangements und verträumten bis kraftvollen Gitarrenriffs macht dieses Debütalbum so großartig.

Wenn man so vor sich hinexperimentiert und einen Klangeffekt über den anderen mischt, läuft man natürlich Gefahr, dass die Musik letztlich völlig überladen ist. MUTE MATH aber haben genau die richtige Mischung gefunden. In Songs wie ‘Stare At The Sun’ oder dem Siebenminüter ‘Stall Out’ baut die Band gar eine Klang-Atmosphäre auf, wie man sie sonst nur noch von DREDG kennt. ‘Typical’ hingegen könnte eine verschollene INCUBUS-Perle sein, und ‘Chaos’ zappelt sich mit treibenden Basslinien und bockigem Rhythmus beim packenden Chorus zur Höchstform auf. Zumal über allem auch noch die phantastische Stimme MEANYs thront, die manchmal positiv an STING in seinen besten POLICE-Phasen erinnert.

MUTE MATH haben auf ihrem Debütalbum ein unglaublich homogenes, dennoch abwechslungsreiches Werk abgeliefert, das vor experimentellen, aber dennoch stets eingängigen Songs nur so wimmelt. Live ist das Quartett sogar noch einen Tick toller, deshalb lohnt es sich auch, bei der limitierten Edition mit Live-CD zuzugreifen. Die Band ist es wert!

Drop Dead, Gorgeous - In Vogue

Friday, May 4th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Wir sind alle in der myspace-Falle. Eine der beliebtesten Bands dieser Community ist die Screamo-Band DROP DEAD, GORGEOUS, die mit ihrem Debütalbum “In Vogue” in den U.S.A. hohe Wellen schlug. Nun ist Europa an der Reihe!

Mehr als zweeinhalb Minuten braucht die Band nicht pro Song, um alles in Grund und Boden zu spielen. Wer UNDEROATH liebt, wird DROP DEAD, GORGEOUS - ja, das Komma im Bandnamen macht durchaus Sinn! - zumindest mögen. Das Pianointro im Opener ‘Dressed For Friends Request’ lässt einen zwanzig Sekunden lang grübeln, ob man wirklich die richtige CD im Player hat, doch dann legen die Stakkato-Gitarren und das Gebrüll von Gitarrist KYLE BROWNING los - und hören so schnell auch nicht mehr wieder auf.

Natürlich sind die Refrains der Songs, wenn Sänger DANNY STILLMAN einsetzt, durchaus melodiös. Natürlich haben die Lieder auch ihre Ruhepausen zum Durchatmen, nur um dann wieder mit voller Wucht loszudüsen. Natürlich ist das alles noch einen Tick schneller, härter, wilder als bei allen bisherigen Screamo-Bands. Wie immer, wenn ein neuer Hype entsteht. Aber mal ehrlich: Braucht man das noch? Die Musik von DROP DEAD, GORGEOUS wirkt genauso konstruiert wie die gesamte Band, bietet aber keinerlei Innovation. Die einzige Motivation scheint es zu sein, für möglich viele Kids die möglichst böseste und damit auch coolste Screamo-Band zu sein. Der Plan geht auf - und die CD zurück in ihr Jewel-Case.

Malajube - Trompe-L’Oeil

Friday, May 4th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Wer sich aufmerksam durch die Musikblogs dieser Welt klickt, wird jetzt gähnen und sich denken, FLAMING YOUTH sei aber spät dran. Fakt ist aber, dass die seit über einem Jahr im Internet gehypeten Kanadier von MALAJUBE erst jetzt ihr zweites Album “Trompe-L’Oeil” auch hier veröffentlichen. Finalement!

Natürlich ist es erstmal ein wenig schwierig für uns frankophobe Indienasen, sich damit anzufreunden, dass uns die Frontshouter JULIEN MINEAU und THOMAS AUGUSTIN auf französisch beschallen. Als guten Einstiegskandidat hat das Quintett aber ‘Montréal -40°C’ mit an Bord, einen beschwingten, sommerlichen Pophit mit einem Chorus, den man an jedem Zipfel der Welt mitsingen kann. Und so langsam traut man sich dann auch an die anderen Stücke, die abwechslungsreicher gar nicht sein können.

Da hätten wir zum Einen ‘Fille à Plumes’, eine aufgekratzte Progwalze zu Beginn mit nervösem Wechselgesang, bevor sich der Chorus ein wenig gemächlicher gibt. Und ehe man sich versieht, findet man sich dann doch auf dem Dancefloor wieder, denn verdammt tanzbar ist die Nummer auch noch. Dass MALAJUBE aber nicht nur auf Krawall gebürstet sind, sondern auch verhältnismäßig ruhigere Töne anschlagen können, beweist die gefühlvolle Ballade ‘Étienne D’Août’, in der das Keyboard und Hintergrundgesänge im Vordergrund stehen - klingt irgendwie widersprüchlich, ist aber so.

Und dann tummelt sich in der Mitte des Albums auch noch der Übersong schlechthin: ‘La Monogamie’ beginnt wie eine Classic-Rock-Ballade, offenbart in seinen fünf Minuten aber mehr Ideen als WEEZER auf ihrem gesamten grünen Album. Spätestens wenn der Song in seinen letzten zwei Minuten in eine wahre Hymne übergeht, mag man auch plötzlich mitsingen: “Et tu danse danse danse toute la nuit”. Das versteht man sogar, wenn man in der Schule nicht aufgepasst hat.

Worum es in den Texten geht? Um Katastrophen und Schicksalsschläge im Allgemeinen, meint Bassist Mathieu Cournoyer. Aber diese spielen nur eine Nebenrolle bei der Musik von MALAJUBE, die auch ohne dieses Verständnis wirkt. Wenn man bei jedem Hördurchgang etwas Neues entdeckt, weiß man, dass es ein gutes Album ist. Bei “Trompe-L’Oeil” ist es selbst beim hundertsten Durchlauf noch so.

Poets Of The Fall - Carnival Of Rust

Tuesday, April 24th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Vertieft in die gut gefallende Musik des neuen POETS OF THE FALL-Albums klingelt plötzlich das Telefon. Also schnell die Anlage leise drehen und den Hörer suchen - könnte ja wichtig sein! Dummerweise bringe ich die Reihenfolge leicht durcheinander, und so werde ich dann am anderen Ende mit den Worten begrüßt: “Sascha, seit wann hörst Du NICKELBACK?” Und plötzlich find ich POETS OF THE FALL erstmal gar nicht mehr so toll…

Wenn man Bands von außerhalb der großen Musikstaaten rezensiert, wollen einem die Labels immer weismachen, dass sie in ihrer Heimat schon Megastars sind. Bei POETS OF THE FALL stimmt dies sogar ausnahmsweise: Ihr Debüt “Signs Of Life” wurde quasi über Nacht zum erfolgreichsten Album der finnischen Musikgeschichte, und auch einen MTV Europe Music Award als beste finnische Band haben sie schon eingeheimst. Da oben hat man also mit u.a. THE RASMUS und HIM weltweit kommerziell erfolgreiche Combos als Konkurrenz abgehängt. Und ja, man muss das Schlimmste befürchten, wenn einem eingetrichtert wird, dass das Trio aus Helsinki drei Musikwelten verbindet. Weil MARK ein Rocksänger ist, OLLIE als Jazzgitarrist unterwegs war und Produzent und Keyboarder CAPTAIN gar einst in Industrialgefilden wilderte. Hab ich jetzt endgültig alle Leser verschreckt?

Denn mal ganz ehrlich und nüchtern betrachtet: Die Musik von POETS OF THE FALL ist nämlich gar nicht mal so schlecht. Die zwölf Vierminüter auf ihrem Zweitwerk “Carnival Of Rust” rocken munter drauflos. Mal kommen kurze Metal-Anleihen durch (’Sorry Go ‘Round’), mal brillieren sie aber auch durch gefühlvolle Balladen (’All The Way / 4U’). MARKS Stimme kann dabei mehr als nur wie nach NICKELBACK klingen, kommt auch mal in ungeahnten Höhen daher (’Dawn’).

Natürlich ist dieses Album nicht sonderlich innovativ, aber muss es das denn? Hat es deshalb keine Daseinsberechtigung? POETS OF THE FALLs “Carnival Of Rust” bekommt von mir den ‘NICKELBACK in gut’-Sticker aufgedrückt. Ein schönes Album, auch wenn es offenbar nicht die Tiefe besitzt, das Telefon einfach klingeln zu lassen.

Dúné - Bloodlines EP

Friday, April 13th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Sie haben das Rad des schweißtreibenden Indie-Waverock auf ihrer “Bloodlines EP” nicht neu erfunden, doch bei DÚNÉ (sprich: Dü-nee) läuft es schneller und runder als bei den meisten britischen Nachbarn. Überraschend, denn die Band kommt nicht von der Insel, sondern aus dem beschaulichen dänischen 28.000-Seelen-Kaff Skive.

In ihrer königlichen Heimat hat das Septett mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt, dort erschien die 5-Track-EP auch schon Ende letzten Jahres. Dass auch der Rest Europas DÚNÉ-siert wird, scheint dabei nur eine Frage der Zeit. Denn die Songs der Band um Sänger MATTIAS KOLSTRUP vereinen unüberhörbar Spurenlemente aus den letzten 40 Jahren Musikgeschichte - da haben die blutjungen Dänen (Durchschnittsalter: 18 Jahre!) in ihrer Kindheit sich sicher durch die Plattensammlung ihrer Eltern geforstet.

Die Songs ziehen einen sofort auf die Tanzfläche: Der Titeltrack groovt sich mit stets hektischer Rhythmusabteilung durch harmoniesüchtige Keyboardklänge zu einem rotzigen, aufmüpfigen Chorus, bei dem letztlich niemand mehr stillstehen kann. ‘Robot Beat’ überrascht mit Handclaps, ehe einem mehrstimmig “I won’t surrender to you” entgegengebrüllt wird - man glaubt es ihnen gerne. Und gerade, als man meint, die Band einordnen zu können, setzen DÚNÉ mit dem siebenminütigen ‘Go Go Valentina’ noch einen drauf, wenn Keyboarderin CECILIE DYRBERG einem die Strophen nahezu entgegenhaucht, bevor die Band am Ende doch wieder alles in Grund und Boden spielt.

Sicherlich sollte man keine voreiligen Schlüsse über DÚNÉ ziehen, wenn man gerade einmal fünf Tracks kennt. Aber eins ist klar: Diese Band hat Potenzial, und dem hoffentlich bald nachgelegten ersten Album sollte man auf jeden Fall Aufmerksamkeit schenken.

Ola Podrida - Ola Podrida

Monday, April 9th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Man beachte bitte das fehlende zweite ‘L’: Während “Olla Podrida” der Name eines spanischen Nationalgerichts ist, bezeichnet OLA PODRIDA die Band des Musikers DAVID WINGO. Nach längerem Hörgenuss des selbstbetitelten Debütalbums kann ich zweifelsohne sagen: Deutlich leckerer als der Eintopf !

Bislang war WINGO zuständig für die musikalische Untermalung von Filmen des Regisseurs David Gordon Green (aktuell “Snow Angels” und “The Great World of Sound”), doch hatte er sich bislang nicht getraut, auch abseits von bereits feststehenden Bildern seine Musik zu inszenieren. Es gäbe ja schon zu viele schlechte CDs in den Plattenläden, und dem wollte der gebürtige Texaner bloß keine weitere hinzufügen. Mittlerweile ist er 30 Jahre alt - also im besten Alter, auf Grand Hotel van Cleef zu veröffentlichen - und hat sich doch endlich aufgerafft. Zusammen mit seinen Mitstreitern ANDREW KENNY, ROBERT PATTON und MATTHEW FRANK sind ihm elf Songs gelungen, die ihre Zeit brauchen, bis sie ihre volle Wirkung entfalten.

Als großer musikalischer Bezugspunkt sei hier der Neo-Folk von IRON & WINE genannt: WINGOs warme Stimme und ruhig gezupfte Gitarre lassen die meiste Zeit an ein Ein-Mann-Projekt denken, Orgel und Schlagzeug vernimmt man beinahe nicht. Lediglich im bombastischen ‘Cindy’ lassen es OLA PODRIDA einmal krachen - sowieso der Song, der einen am schnellsten in den Bann zieht und sich daher am ehesten auf zukünftige Mixtapes pressen lässt. Doch auch die anderen Lieder wissen letztlich zu überzeugen: ‘Day At The Beach’ zum Beispiel oder der famose Banjo-Country-Schlusspunkt ‘Eastbound’.

Insgesamt ist “Ola Podrida” ein sehr schönes, ruhiges Folk-Album geworden, dem man aber Zeit lassen muss - denn es wächst mit jedem Hördurchgang weiter.

Dirk Darmstaedter - Our Favorite City

Monday, March 19th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Der Traum eines jeden Musikers ist, nicht nur für die Musik, sondern auch von der Musik leben zu können. Tapete-Labelchef DIRK DARMSTAEDTER hat sich diesen Traum längst erfüllt. Allerdings verkaufen sich seine eigenen CDs nicht wie geschnitten Brot, und dies wird sich leider auch durch sein neues Album “Our Favorite City” nicht ändern.

Dabei hat DIRK DARMSTAEDTER schon seinen Teil zur Pophistorie beigesteuert: 1988 sang er den Superhit ‘Brand New Toy’ für seine ehemalige Band THE JEREMY DAYS. Eines dieser Lieder, die jeder kennt - nur bringt kaum jemand den Wahl-Hamburger mit diesem Song in Verbindung. Nach dem Ende der JEREMY DAYS widmete sich DARMSTAEDTER solo weiter der Musik, zunächst unter dem Synonym ME & CASSITY, seit zwei Jahren nun unter seinem eigenen guten Namen. Gemein haben alle Alben die Singer/Songwriter-Kunst auf höchstem Niveau.

Dass dies auch auf “Our Favorite City” nicht anders ist, wird schon nach wenigen Sekunden des Openers ‘Passing Comet’ klar: Eine lauschige Akustikgitarre zupft sich durch die Gegend, in der Ferne erahnt man eine uralte Orgel. Wenn schließlich Drummer LARS PLOGSCHTIES und die wärmende Stimme von DIRK DARMSTAEDTER einsetzen, ärgert man sich, dass man den Rotwein nicht bereitgestellt hat. Die Aufnahme in Cambridges Dulcitone-Studio, einer ehemaligen englischen Dorfkirche, kommt den zeitlosen Songs zugute, die mal beschwingt, mal traurig rüberkommen. Besonders die ruhigeren Stücke wie der bereits erwähnte Opener, ‘In And Out’ oder ‘Paper Chandeliers’ bauen dabei eine Atmosphäre auf, wie sie nur wenige europäische Singer/Songwriter hinbekommen. Doch auch die schnelleren Lieder wie das fröhliche ‘We Beat The Drum’ und das beinahe rockige ‘We Are Waves’ brauchen sich nicht zu verstecken.

Alles beim Alten also bei DIRK DARMSTAEDTER - und das ist auch gut so!

Kim Frank - Hellblau

Friday, March 9th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Ich geb’s ja zu: Ich habe ECHT gehasst, solange es diese Band gab - trotz des zugegeben schmissigen ‘Du trägst keine Liebe in Dir’. Angefreundet mit der Musik der Flensburger habe ich mich erst, als die Band längst Geschichte und das dritte Album “Recorder” auf den Grabbeltischen für fünf Mark zu haben war. Dann aber war die Begeisterung da und das Warten auf KIM FRANKs Solodebüt begann. Jetzt endlich halte ich es in den Händen: “Hellblau”!

Gut Ding will Weile haben: Vier Jahre lang hat KIM FRANK an seinen Songs gesessen, unterbrach den Prozess aber immer mal wieder. Zum Beispiel zu Gunsten seines Kinodebüts “NVA” oder seiner Synchronstimme in Walt Disneys “Himmel und Huhn”. Nun ist aber alles gut, der erste Vorbote ‘Lara’ lässt FRANKs Ankündigung, sich von der Musik ECHTs distanziert zu haben, wie einen schlechten, verspäteten Aprilscherz erscheinen. Welch ein würdiger Nachfolger für ‘Du trägst keine Liebe in Dir’, ein Himmel voller Streicher, gehalten von einer Stimme, die man jahrelang vermisste.

Was aber taugen die restlichen Songs? ‘Zwei Sommer’ prescht munter nach vorne und bettelt damit geradewegs darum, zweite Singleauskopplung zu werden. Der Rest ist Midtempo-Gitarrenpop der Marke ECHT - natürlich, denn das größte Markenzeichen der Flensburger war nunmal die Stimme von KIM FRANK. Manchmal driften die Lieder auf “Hellblau” aber in den Kitsch ab, vor allem, wenn sich die Stimme des Sängers in Tonhöhen wagt, die für ihn nicht erfunden wurden. So werden ‘Zeitlos schön’ und der Titelsong schnell mal zu Skip-Songs - aber das lässt sich bei all der Wiedersehensfreude mit KIM verschmerzen.

Ganz anders sieht es allerdings bei den Texten aus: Zeichneten sich für ECHT namhafte Songwriter wie MICHEL VAN DYKE und BERND BEGEMANN verantwortlich, so hat KIM FRANK diesmal höchstpersönlich die lyrische Feder geschwungen - quasi wie in der Schule. Und so verhält sich das leider auch mit dem Niveau der Texte, die sich hauptsächlich um Frauen und vor allem den Abschied von ebendiesen drehen. Positiv gesehen steckt hier also noch sehr viel Potenzial im 24-Jährigen, welches er dann hoffentlich für das nächste Album besser ausschöpfen kann.

Alles in allem ist “Hellblau”, das Comeback von KIM FRANK, keineswegs misslungen - doch über kurz oder lang greift man dann doch lieber wieder zu den alten ECHT-Scheiben…