Menomena - Friend and Foe
Saturday, September 15th, 2007erschienen bei flamingyouth.de:
Jaja, stets die gleiche Leier: Die Musikindustrie liegt am Boden, weil die Alben nicht mehr gekauft werden, sondern einfach aus dem Internet heruntergeladen werden. Wissen wir doch und bedauern es auch. Das Trio MENOMENA aus Portland/Oregon hat aber nun einen neuen Ansatz gefunden, damit man bitte doch mal wieder in den Plattenladen um die Ecke (oder doch wahlweise amazon…) stolziert und sich die Original-CD kauft: ein unschlagbares Cover-Artwork.
Das fing schon beim Erstwerk “I Am The Fun Blame Monster” an, das mit einem mindestens 100-seitigen Daumenkino-Booklet daherkam, in dessen Verlauf sich der Albumtitel in sein Anagramm “The First Menomena Album” verwandelte. Ja, so etwas macht uns doch Freude, und der zweite Streich “Friend And Foe” steht dem in sowas von gar nichts nach! Man nehme dafür den renommierten Zeichner Craig Thompson, der uns im Booklet gleich vier skurrile Comicwelten schenkt. Dieses Booklet besitzt absichtlich mehrere Ausschnitte, welche dann durch die CD im Jewel-Case gefüllt werden. So entstehen mindestens 23,4 Quadrillionen verschiedene Szenarien, je nachdem, welche Comicwelt man gerade vorne hat und welchen Winkel die CD hinten einnimmt.
Da haben wir dann auch das kleine Manko: Die CD muss dafür im Jewel-Case sein, aber wenn sie es sich erst einmal in der heimischen Stereoanlage gemütlich gemacht hat, will man “Friend And Foe” auch gerne lange drinlassen. Denn die Musik von MENOMENA ist mindestens genau so verspielt und vergoldet damit das Gesamtkunstwerk. Obwohl in jedem einzelnen Song so unglaublich viele Ideen stecken und sich die Klangwelten im Zehn-Sekunden-Takt ändern, kreiert das Trio eine unvergleichliche Wärme auf ihrem Album. Umso erstaunlicher ist dies, wenn man dann erfährt, dass die größten Teile des Albums am Computer entstanden: Mit Hilfe der von Bandmitglied BRENT KNOPF selbst geschriebenen Loop-Software DLR werden Gitarre, Bass, Keyboards, Klavier, Glockenspiel, Moog, Saxophon und vieles mehr über die Drum-Loops aufgeschichtet.
Dennoch tragen die Songs nie zu viel Make-Up. Für den Gesang, bei dem ganz demokratisch alle drei MENOMENAs mal ran dürfen, rücken alle Klangspielereien gerne wieder in den Hintergrund, so dass trotz aller Raffinessen, trotz unkonventioneller Breaks am Ende doch wieder lupenreiner Pop entsteht.