Malajube + Menomena, 19.09.2007, Uebel&Gefährlich (HH)

erschienen bei flamingyouth.de:

Zwei der - zweifelsohne in diesem Jahr eher wenigen - musikalischen Überraschungen sind für mich MALAJUBE und MENOMENA. Ein Glücksfall, dass die Frankokanadier die US-Indietüftler eingeladen haben, sie auf ihrer Europa-Tournee zu begleiten! Da lohnt sich dann auch endlich mal wieder die lange Zugfahrt mit Zwischenstopps in so illustren Käffern wie Brokstedt, Einfeld und Horst - oder etwa nicht?

Der erste Wermutstropfen meiner Hamburg-Tour lässt leider nicht lange auf sich warten: Der Einlass ins Uebel&Gefährlich verschiebt sich auf zwanzig nach neun. Hinzu kommt, dass die Gäste mit einem Lastenaufzug (Tragkraft 27 Personen oder 3.000 kg) erst einmal in den vierten Stock des Gebäudekomplexes gehievt werden müssen - das kostet alles Zeit, und gerade Zeit hab ich dank der klammen Fahrpläne der Deutschen Bahn nicht wirklich. Man wird also notgedrungen langsam hibbelig und findet sich damit ab, das Doppelkonzert nicht bis zum Ende genießen zu können. Immerhin, so beruhige ich mich, werde ich Supportband MENOMENA in voller Länge erleben können - und das bei ihrem ersten Gig überhaupt auf dem alten Kontinent! Und so freue ich mich diebisch darüber, wie ich meinen imaginären Indie-Freunden davon erzählen könnte, die großen MENOMENA als einer der Ersten gesehen zu haben. MALAJUBE hab ich in diesem Jahr eh schon zweimal live gesehen.

Doch dann um mittlerweile zehn nach zehn die große Ernüchterung: Statt der Portlander stehen Hauptact MALAJUBE auf der Bühne! Als wollten sie uns damit zeigen, dass man ‘Support’ nunmal nicht einfach mit ‘Vorgruppe’ übersetzen sollte, denn manchmal sind ‘Supports’ halt auch ‘Nachgruppen’. Schon komisch: Da steht also eine meiner diesjährigen Lieblingsbands auf der Bühne vor mir, es ist gemütlich im Uebel&Gefährlich bei gerade einmal rund 200 Gästen - und Sascha steht in Reihe 3 und schmollt…

Dabei bleibt es aber nicht lange, denn MALAJUBE legen los wie die Feuerwehr: Gleich mit der Wahnsinnsballade ‘Etienne d’Aout’ eröffnen sie ihren Gig, es folgen mit ‘Pâte Filo’ und ‘Montréal -40°C’ meine weiteren Lieblingssongs der Band. Als wollten die fünf Kanadier sich persönlich bei mir dafür entschuldigen, dass ich große Teile von MENOMENA verpassen werde. Haben sie doch gar nicht nötig! MALAJUBE jagen aber nur so durch ihr Programm, handeln in 35 Minuten alle Hits ihres Albums “Trompe-l’Oeil” ab und lassen darauf noch zwei alte Songs folgen. Dabei präsentiert sich die Band in ungeheurer Spielfreude, der Sound kommt deutlich sauberer als im März in Berlin aus den Boxen. Etwas länger hätte ihr Set jedoch schon sein können, aber mir persönlich ist es ganz recht, denn jede Minute weniger von MALAJUBE würde ja eine Minute mehr MENOMENA bedeuten.

Doch nun rinnt die Zeit bei der Umbaupause nur so dahin: Auch wenn MENOMENA nur zu dritt sind, so müssen - so scheint es mir - unendlich viele Instrumente angeschlossen werden: Drei Mikrofone, zwei Gitarren, zwei Bässe, ein Schlagzeug, ein Saxophon, ein Keyboard, ein Irgendwas (elektronisches Glockenspiel vielleicht?), zwei iBooks - Wahnsinn! Dies braucht natürlich alles seine Zeit, wodurch sich das Hörvergnügen für mich letztlich auf gerade einmal 20 Minuten reduziert. Aber was für welche! Alle drei Musiker stehen auf einer Linie, beim Singen wechseln sie sich völlig demokratisch ab. Und ich weiß gar nicht, wo ich hingucken soll: Nach links, wo Brent Knopf - welch passender Name - in Windeseile von einem MIDI-Effekt auf den nächsten wechselt, während er gleichzeitig wahlweise Keyboard und Gitarre spielt, dennoch nie überfordert wirkt? Nach rechts, wo Danny Seim am Schlagzeug wahnwitzig die Beats, die auf Platte mit Hilfe einer Loop-Software entstanden, nachspielt, als hätte er zuvor drei Duracell-Zäpchen eingenommen? Oder doch einfach geradeaus, wo Justin Harris inmitten seiner Mitstreiter alle restlichen Instrumente bedient, für die die anderen beiden gerade keine Hand mehr frei haben? Wohin man auch blickt, es ist phänomenal, es ist große Kunst, es ist Wahnsinn - und es fügt sich erschreckenderweise auch noch zu genau der wundervollen Popmusik zusammen, die es auf dem aktuellen Album “Friend And Foe” zu hören gibt!

Leider nur für 20 Minuten, denn dann muss ich zum Bahnhof…

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