Voxtrot + Siva, 08.08.2007, Molotow (HH)

erschienen bei flamingyouth.de:

Wenn die Senkrechtstarter von VOXTROT ins Molotow laden, lassen sich die Hamburger Musikfans nicht lange bitten. Wie schon im Frühjahr ist der Club gut gefüllt, obwohl das Wetter so gar nicht dazu einlädt, seine eigenen vier Wände zu verlassen.

Als Support hat die Band aus Austin, Texas für die kleine Deutschland-Tour diesmal die Berliner SIVA. aus dem Hause DevilDuck eingeladen. Eine gute Wahl, denn auch wenn die beiden Combos stilistisch schon weit auseinander liegen, so eint sie doch die Geste zu großartigen Melodiebögen.

SIVA. aber haben an diesem Abend, dem letzten der gemeinsamen Tour, ein großes Problem zu bewältigen. Drummer Jens Gathemann muss aus familiären Gründen passen und lässt seine Kollegen somit ohne Schlagzeig stehen. Die Songs werden dadurch ruhiger gespielt, als man es auf ihrem grandiosen Debüt “The Story Is Complete, But I Think We’ve Lost The Book” gewohnt ist. Der instrumentale Schwerpunkt wird deutlich auf den wabenden Elektronikteppich gelegt, die Gitarre von Sänger Andreas Bonkowski genießt eher einen Alibi-Charakter. Ganz so unter dem Motto: “Wenn ihr das schon toll findet, solltet ihr uns erstmal in voller Montur erleben: Mit Gitarrenwänden und mehr instrumentaler Verspieltheit!” Mein Nebenmann im Publikum flüstert derweil seinem Nebenmann (also nicht mir!) ins Ohr, dass ihn SIVA. an RADIOHEAD zu “OK Computer”-Zeiten erinnern. Bevor ich ihn gebührend auslachen kann, bemerke ich gerade noch rechtzeitig, dass er damit gar nicht mal so falsch liegt. Denn besonders in den ruhigen Stücken ist die zerbrechliche Stimme Bonkowskis sehr nah an der von Thom Yorke dran.

Nichtsdestotrotz bleibt ein leicht fader Beigeschmack zurück, denn als Quartett, ans Album angelehnt, wäre das alles um so toller gewesen. Und als wenn SIVA. deshalb ein schlechtes Gewissen bei den Hansestädtern hätten, beehren sie Hamburg allein im September gleich drei weitere Male. Dann auch sicherlich in voller Montur.

Gestört hat dieser reduzierte Auftritt der Berliner dann aber auch niemanden, zumal die meisten Besucher eh wegen VOXTROT im Molotow sind. Diese betreten dann auch gegen 22 Uhr die Bühne und beweisen aufs Neue, dass sie eine erstklassige Liveband sind. Besonders die Uptempo-Stücke ihres selbstbetitelten Debütalbums gewinnen im Molotow regelrecht an Fahrt und werden zu beinahe erdigen Tanzflächenrockern. Am Ende von ‘Kid Gloves’ gerät Frontmann Ramesh Srivastava sogar beinahe in Rage. So sehr, dass man sich anschließend fragt, warum die Band sich dies nicht schon auf dem Album getraut hat.

VOXTROT beschränken sich erfreulicherweise nicht nur auf die Songs vom Album, sondern spielen auch allerhand “alte” Songs von ihren Vorab-EPs. Besonders das aus der Konserve etwas langweilig daherkommende ‘Your Biggest Fan’ gewinnt live ordentlich an Intensität. So ist man nach 55 kurzweiligen Minuten auch bester Laune und großer Hoffnung, dass das Quintett noch mindestens eine halbe Stunde an Zugaben draufpackt. Doch hier wird man letztlich enttäuscht: Srivastava kehrt für einen letzten Rausschmeißer allein auf die Bühne zurück, dann ist auch schon Schluss. Schade, denn VOXTROT hätten noch deutlich mehr spielen können. Allein schon, dass sie die Piano-Ballade ‘Real Life Version’, das Herzstück des Albums, verschmäht haben, lässt einen kurzzeitig trauernd zurück. Aber allmählich fällt mir dann doch wieder ein, dass die anderen Lieder dafür umso schöner dargeboten wurden. Man muss auch mal verzeihen können!

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