Malajube - Trompe-L’Oeil
erschienen bei flamingyouth.de:
Wer sich aufmerksam durch die Musikblogs dieser Welt klickt, wird jetzt gähnen und sich denken, FLAMING YOUTH sei aber spät dran. Fakt ist aber, dass die seit über einem Jahr im Internet gehypeten Kanadier von MALAJUBE erst jetzt ihr zweites Album “Trompe-L’Oeil” auch hier veröffentlichen. Finalement!
Natürlich ist es erstmal ein wenig schwierig für uns frankophobe Indienasen, sich damit anzufreunden, dass uns die Frontshouter JULIEN MINEAU und THOMAS AUGUSTIN auf französisch beschallen. Als guten Einstiegskandidat hat das Quintett aber ‘Montréal -40°C’ mit an Bord, einen beschwingten, sommerlichen Pophit mit einem Chorus, den man an jedem Zipfel der Welt mitsingen kann. Und so langsam traut man sich dann auch an die anderen Stücke, die abwechslungsreicher gar nicht sein können.
Da hätten wir zum Einen ‘Fille à Plumes’, eine aufgekratzte Progwalze zu Beginn mit nervösem Wechselgesang, bevor sich der Chorus ein wenig gemächlicher gibt. Und ehe man sich versieht, findet man sich dann doch auf dem Dancefloor wieder, denn verdammt tanzbar ist die Nummer auch noch. Dass MALAJUBE aber nicht nur auf Krawall gebürstet sind, sondern auch verhältnismäßig ruhigere Töne anschlagen können, beweist die gefühlvolle Ballade ‘Étienne D’Août’, in der das Keyboard und Hintergrundgesänge im Vordergrund stehen - klingt irgendwie widersprüchlich, ist aber so.
Und dann tummelt sich in der Mitte des Albums auch noch der Übersong schlechthin: ‘La Monogamie’ beginnt wie eine Classic-Rock-Ballade, offenbart in seinen fünf Minuten aber mehr Ideen als WEEZER auf ihrem gesamten grünen Album. Spätestens wenn der Song in seinen letzten zwei Minuten in eine wahre Hymne übergeht, mag man auch plötzlich mitsingen: “Et tu danse danse danse toute la nuit”. Das versteht man sogar, wenn man in der Schule nicht aufgepasst hat.
Worum es in den Texten geht? Um Katastrophen und Schicksalsschläge im Allgemeinen, meint Bassist Mathieu Cournoyer. Aber diese spielen nur eine Nebenrolle bei der Musik von MALAJUBE, die auch ohne dieses Verständnis wirkt. Wenn man bei jedem Hördurchgang etwas Neues entdeckt, weiß man, dass es ein gutes Album ist. Bei “Trompe-L’Oeil” ist es selbst beim hundertsten Durchlauf noch so.