Archive for April, 2007

Poets Of The Fall - Carnival Of Rust

Tuesday, April 24th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Vertieft in die gut gefallende Musik des neuen POETS OF THE FALL-Albums klingelt plötzlich das Telefon. Also schnell die Anlage leise drehen und den Hörer suchen - könnte ja wichtig sein! Dummerweise bringe ich die Reihenfolge leicht durcheinander, und so werde ich dann am anderen Ende mit den Worten begrüßt: “Sascha, seit wann hörst Du NICKELBACK?” Und plötzlich find ich POETS OF THE FALL erstmal gar nicht mehr so toll…

Wenn man Bands von außerhalb der großen Musikstaaten rezensiert, wollen einem die Labels immer weismachen, dass sie in ihrer Heimat schon Megastars sind. Bei POETS OF THE FALL stimmt dies sogar ausnahmsweise: Ihr Debüt “Signs Of Life” wurde quasi über Nacht zum erfolgreichsten Album der finnischen Musikgeschichte, und auch einen MTV Europe Music Award als beste finnische Band haben sie schon eingeheimst. Da oben hat man also mit u.a. THE RASMUS und HIM weltweit kommerziell erfolgreiche Combos als Konkurrenz abgehängt. Und ja, man muss das Schlimmste befürchten, wenn einem eingetrichtert wird, dass das Trio aus Helsinki drei Musikwelten verbindet. Weil MARK ein Rocksänger ist, OLLIE als Jazzgitarrist unterwegs war und Produzent und Keyboarder CAPTAIN gar einst in Industrialgefilden wilderte. Hab ich jetzt endgültig alle Leser verschreckt?

Denn mal ganz ehrlich und nüchtern betrachtet: Die Musik von POETS OF THE FALL ist nämlich gar nicht mal so schlecht. Die zwölf Vierminüter auf ihrem Zweitwerk “Carnival Of Rust” rocken munter drauflos. Mal kommen kurze Metal-Anleihen durch (’Sorry Go ‘Round’), mal brillieren sie aber auch durch gefühlvolle Balladen (’All The Way / 4U’). MARKS Stimme kann dabei mehr als nur wie nach NICKELBACK klingen, kommt auch mal in ungeahnten Höhen daher (’Dawn’).

Natürlich ist dieses Album nicht sonderlich innovativ, aber muss es das denn? Hat es deshalb keine Daseinsberechtigung? POETS OF THE FALLs “Carnival Of Rust” bekommt von mir den ‘NICKELBACK in gut’-Sticker aufgedrückt. Ein schönes Album, auch wenn es offenbar nicht die Tiefe besitzt, das Telefon einfach klingeln zu lassen.

Dúné - Bloodlines EP

Friday, April 13th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Sie haben das Rad des schweißtreibenden Indie-Waverock auf ihrer “Bloodlines EP” nicht neu erfunden, doch bei DÚNÉ (sprich: Dü-nee) läuft es schneller und runder als bei den meisten britischen Nachbarn. Überraschend, denn die Band kommt nicht von der Insel, sondern aus dem beschaulichen dänischen 28.000-Seelen-Kaff Skive.

In ihrer königlichen Heimat hat das Septett mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt, dort erschien die 5-Track-EP auch schon Ende letzten Jahres. Dass auch der Rest Europas DÚNÉ-siert wird, scheint dabei nur eine Frage der Zeit. Denn die Songs der Band um Sänger MATTIAS KOLSTRUP vereinen unüberhörbar Spurenlemente aus den letzten 40 Jahren Musikgeschichte - da haben die blutjungen Dänen (Durchschnittsalter: 18 Jahre!) in ihrer Kindheit sich sicher durch die Plattensammlung ihrer Eltern geforstet.

Die Songs ziehen einen sofort auf die Tanzfläche: Der Titeltrack groovt sich mit stets hektischer Rhythmusabteilung durch harmoniesüchtige Keyboardklänge zu einem rotzigen, aufmüpfigen Chorus, bei dem letztlich niemand mehr stillstehen kann. ‘Robot Beat’ überrascht mit Handclaps, ehe einem mehrstimmig “I won’t surrender to you” entgegengebrüllt wird - man glaubt es ihnen gerne. Und gerade, als man meint, die Band einordnen zu können, setzen DÚNÉ mit dem siebenminütigen ‘Go Go Valentina’ noch einen drauf, wenn Keyboarderin CECILIE DYRBERG einem die Strophen nahezu entgegenhaucht, bevor die Band am Ende doch wieder alles in Grund und Boden spielt.

Sicherlich sollte man keine voreiligen Schlüsse über DÚNÉ ziehen, wenn man gerade einmal fünf Tracks kennt. Aber eins ist klar: Diese Band hat Potenzial, und dem hoffentlich bald nachgelegten ersten Album sollte man auf jeden Fall Aufmerksamkeit schenken.

Ola Podrida - Ola Podrida

Monday, April 9th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Man beachte bitte das fehlende zweite ‘L’: Während “Olla Podrida” der Name eines spanischen Nationalgerichts ist, bezeichnet OLA PODRIDA die Band des Musikers DAVID WINGO. Nach längerem Hörgenuss des selbstbetitelten Debütalbums kann ich zweifelsohne sagen: Deutlich leckerer als der Eintopf !

Bislang war WINGO zuständig für die musikalische Untermalung von Filmen des Regisseurs David Gordon Green (aktuell “Snow Angels” und “The Great World of Sound”), doch hatte er sich bislang nicht getraut, auch abseits von bereits feststehenden Bildern seine Musik zu inszenieren. Es gäbe ja schon zu viele schlechte CDs in den Plattenläden, und dem wollte der gebürtige Texaner bloß keine weitere hinzufügen. Mittlerweile ist er 30 Jahre alt - also im besten Alter, auf Grand Hotel van Cleef zu veröffentlichen - und hat sich doch endlich aufgerafft. Zusammen mit seinen Mitstreitern ANDREW KENNY, ROBERT PATTON und MATTHEW FRANK sind ihm elf Songs gelungen, die ihre Zeit brauchen, bis sie ihre volle Wirkung entfalten.

Als großer musikalischer Bezugspunkt sei hier der Neo-Folk von IRON & WINE genannt: WINGOs warme Stimme und ruhig gezupfte Gitarre lassen die meiste Zeit an ein Ein-Mann-Projekt denken, Orgel und Schlagzeug vernimmt man beinahe nicht. Lediglich im bombastischen ‘Cindy’ lassen es OLA PODRIDA einmal krachen - sowieso der Song, der einen am schnellsten in den Bann zieht und sich daher am ehesten auf zukünftige Mixtapes pressen lässt. Doch auch die anderen Lieder wissen letztlich zu überzeugen: ‘Day At The Beach’ zum Beispiel oder der famose Banjo-Country-Schlusspunkt ‘Eastbound’.

Insgesamt ist “Ola Podrida” ein sehr schönes, ruhiges Folk-Album geworden, dem man aber Zeit lassen muss - denn es wächst mit jedem Hördurchgang weiter.