Kim Frank - Hellblau
erschienen bei flamingyouth.de:
Ich geb’s ja zu: Ich habe ECHT gehasst, solange es diese Band gab - trotz des zugegeben schmissigen ‘Du trägst keine Liebe in Dir’. Angefreundet mit der Musik der Flensburger habe ich mich erst, als die Band längst Geschichte und das dritte Album “Recorder” auf den Grabbeltischen für fünf Mark zu haben war. Dann aber war die Begeisterung da und das Warten auf KIM FRANKs Solodebüt begann. Jetzt endlich halte ich es in den Händen: “Hellblau”!
Gut Ding will Weile haben: Vier Jahre lang hat KIM FRANK an seinen Songs gesessen, unterbrach den Prozess aber immer mal wieder. Zum Beispiel zu Gunsten seines Kinodebüts “NVA” oder seiner Synchronstimme in Walt Disneys “Himmel und Huhn”. Nun ist aber alles gut, der erste Vorbote ‘Lara’ lässt FRANKs Ankündigung, sich von der Musik ECHTs distanziert zu haben, wie einen schlechten, verspäteten Aprilscherz erscheinen. Welch ein würdiger Nachfolger für ‘Du trägst keine Liebe in Dir’, ein Himmel voller Streicher, gehalten von einer Stimme, die man jahrelang vermisste.
Was aber taugen die restlichen Songs? ‘Zwei Sommer’ prescht munter nach vorne und bettelt damit geradewegs darum, zweite Singleauskopplung zu werden. Der Rest ist Midtempo-Gitarrenpop der Marke ECHT - natürlich, denn das größte Markenzeichen der Flensburger war nunmal die Stimme von KIM FRANK. Manchmal driften die Lieder auf “Hellblau” aber in den Kitsch ab, vor allem, wenn sich die Stimme des Sängers in Tonhöhen wagt, die für ihn nicht erfunden wurden. So werden ‘Zeitlos schön’ und der Titelsong schnell mal zu Skip-Songs - aber das lässt sich bei all der Wiedersehensfreude mit KIM verschmerzen.
Ganz anders sieht es allerdings bei den Texten aus: Zeichneten sich für ECHT namhafte Songwriter wie MICHEL VAN DYKE und BERND BEGEMANN verantwortlich, so hat KIM FRANK diesmal höchstpersönlich die lyrische Feder geschwungen - quasi wie in der Schule. Und so verhält sich das leider auch mit dem Niveau der Texte, die sich hauptsächlich um Frauen und vor allem den Abschied von ebendiesen drehen. Positiv gesehen steckt hier also noch sehr viel Potenzial im 24-Jährigen, welches er dann hoffentlich für das nächste Album besser ausschöpfen kann.
Alles in allem ist “Hellblau”, das Comeback von KIM FRANK, keineswegs misslungen - doch über kurz oder lang greift man dann doch lieber wieder zu den alten ECHT-Scheiben…