Archive for March, 2007

Dirk Darmstaedter - Our Favorite City

Monday, March 19th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Der Traum eines jeden Musikers ist, nicht nur für die Musik, sondern auch von der Musik leben zu können. Tapete-Labelchef DIRK DARMSTAEDTER hat sich diesen Traum längst erfüllt. Allerdings verkaufen sich seine eigenen CDs nicht wie geschnitten Brot, und dies wird sich leider auch durch sein neues Album “Our Favorite City” nicht ändern.

Dabei hat DIRK DARMSTAEDTER schon seinen Teil zur Pophistorie beigesteuert: 1988 sang er den Superhit ‘Brand New Toy’ für seine ehemalige Band THE JEREMY DAYS. Eines dieser Lieder, die jeder kennt - nur bringt kaum jemand den Wahl-Hamburger mit diesem Song in Verbindung. Nach dem Ende der JEREMY DAYS widmete sich DARMSTAEDTER solo weiter der Musik, zunächst unter dem Synonym ME & CASSITY, seit zwei Jahren nun unter seinem eigenen guten Namen. Gemein haben alle Alben die Singer/Songwriter-Kunst auf höchstem Niveau.

Dass dies auch auf “Our Favorite City” nicht anders ist, wird schon nach wenigen Sekunden des Openers ‘Passing Comet’ klar: Eine lauschige Akustikgitarre zupft sich durch die Gegend, in der Ferne erahnt man eine uralte Orgel. Wenn schließlich Drummer LARS PLOGSCHTIES und die wärmende Stimme von DIRK DARMSTAEDTER einsetzen, ärgert man sich, dass man den Rotwein nicht bereitgestellt hat. Die Aufnahme in Cambridges Dulcitone-Studio, einer ehemaligen englischen Dorfkirche, kommt den zeitlosen Songs zugute, die mal beschwingt, mal traurig rüberkommen. Besonders die ruhigeren Stücke wie der bereits erwähnte Opener, ‘In And Out’ oder ‘Paper Chandeliers’ bauen dabei eine Atmosphäre auf, wie sie nur wenige europäische Singer/Songwriter hinbekommen. Doch auch die schnelleren Lieder wie das fröhliche ‘We Beat The Drum’ und das beinahe rockige ‘We Are Waves’ brauchen sich nicht zu verstecken.

Alles beim Alten also bei DIRK DARMSTAEDTER - und das ist auch gut so!

Kim Frank - Hellblau

Friday, March 9th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Ich geb’s ja zu: Ich habe ECHT gehasst, solange es diese Band gab - trotz des zugegeben schmissigen ‘Du trägst keine Liebe in Dir’. Angefreundet mit der Musik der Flensburger habe ich mich erst, als die Band längst Geschichte und das dritte Album “Recorder” auf den Grabbeltischen für fünf Mark zu haben war. Dann aber war die Begeisterung da und das Warten auf KIM FRANKs Solodebüt begann. Jetzt endlich halte ich es in den Händen: “Hellblau”!

Gut Ding will Weile haben: Vier Jahre lang hat KIM FRANK an seinen Songs gesessen, unterbrach den Prozess aber immer mal wieder. Zum Beispiel zu Gunsten seines Kinodebüts “NVA” oder seiner Synchronstimme in Walt Disneys “Himmel und Huhn”. Nun ist aber alles gut, der erste Vorbote ‘Lara’ lässt FRANKs Ankündigung, sich von der Musik ECHTs distanziert zu haben, wie einen schlechten, verspäteten Aprilscherz erscheinen. Welch ein würdiger Nachfolger für ‘Du trägst keine Liebe in Dir’, ein Himmel voller Streicher, gehalten von einer Stimme, die man jahrelang vermisste.

Was aber taugen die restlichen Songs? ‘Zwei Sommer’ prescht munter nach vorne und bettelt damit geradewegs darum, zweite Singleauskopplung zu werden. Der Rest ist Midtempo-Gitarrenpop der Marke ECHT - natürlich, denn das größte Markenzeichen der Flensburger war nunmal die Stimme von KIM FRANK. Manchmal driften die Lieder auf “Hellblau” aber in den Kitsch ab, vor allem, wenn sich die Stimme des Sängers in Tonhöhen wagt, die für ihn nicht erfunden wurden. So werden ‘Zeitlos schön’ und der Titelsong schnell mal zu Skip-Songs - aber das lässt sich bei all der Wiedersehensfreude mit KIM verschmerzen.

Ganz anders sieht es allerdings bei den Texten aus: Zeichneten sich für ECHT namhafte Songwriter wie MICHEL VAN DYKE und BERND BEGEMANN verantwortlich, so hat KIM FRANK diesmal höchstpersönlich die lyrische Feder geschwungen - quasi wie in der Schule. Und so verhält sich das leider auch mit dem Niveau der Texte, die sich hauptsächlich um Frauen und vor allem den Abschied von ebendiesen drehen. Positiv gesehen steckt hier also noch sehr viel Potenzial im 24-Jährigen, welches er dann hoffentlich für das nächste Album besser ausschöpfen kann.

Alles in allem ist “Hellblau”, das Comeback von KIM FRANK, keineswegs misslungen - doch über kurz oder lang greift man dann doch lieber wieder zu den alten ECHT-Scheiben…

Hurricane Southside Clubtour Part 2, 25.02.2007, Markthalle (HH)

Wednesday, March 7th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

Im Juni lockt erneut das Zwillingsfestival HURRICANE / SOUTHSIDE 90.000 Festivalfans für drei Tage in ihre Zelte. Zum Warmwerden gab es im Februar zwei Clubtourneen, zur zweiten waren die Schotten von AEREOGRAMME, THE MAGIC NUMBERS aus England sowie die deutschen Newcomer KARPATENHUND geladen. Flaming Youth war am 25. Februar in der Hamburger Markthalle mit dabei.

Es ist kurz nach 20 Uhr, und im großen Saal der Markthalle ist rein gar nichts los. Dennoch - so ist das Geschäft - müssen KARPATENHUND aus Köln nun loslegen. Dem Quintett, das bis auf die charismatische Sängerin Claire auch bei LOCAS IN LOVE musiziert, macht dies aber nichts aus, macht das Beste aus der Situation und tituliert die handvoll Zuhörer als die Stars des Abends. Ihr Gitarrenpop weiß allerdings über die gesamte Spielzeit von leider gerade einmal 35 Minuten dennoch zu überzeugen. Auf das im Frühjahr erscheinende Debütalbum von KARPATENHUND darf man also gespannt sein.

Eigentlich war als zweiter Künstler des Abends der britische Senkrechtstarter SAM DUCKWORTH, besser bekannt als GET CAPE. WEAR CAPE. FLY vorgesehen. Da dieser kurz vor Beginn der Tour leider krank wurde, schrumpfte das LineUp kurzfristig von einem Quartett zu einem Trio dahin. Dafür dürfen die MAGIC NUMBERS aber schon früher ran und auch länger spielen. Und ihr erster Auftritt überhaupt in Hamburg lockt dann auch endlich die Massen vom Vorraum in den Konzertsaal. Die beiden Geschwisterpärchen um Sänger und Gitarrist ROMEO STODART und Sängerin ANGELA GANNON präsentieren eine bunte Mischung aus ihren beiden umjubelten Alben. Ein Hauch der 60er Jahre liegt bei den Vokalharmonien in der Luft, das Publikum zeigt sich mehr und mehr begeistert vom Quartett. Ob der Single-Hit ‘Forever Lost’, das anschmiegsame ‘I See You, You See Me’ oder das tanzbare ‘Take A Chance’ - THE MAGIC NUMBERS sammeln sich an diesem Abend in der Hansestadt viele neue Fans zusammen.

Als AEREOGRAMME dann unter einer furiosen Lichtshow die Bühne entern, sind die Reihen vor dieser schon wieder etwas spärlicher gesät. Schon vor dem ersten Ton der Schotten wird klar, dass die MAGIC NUMBERS dieses Duell heute für sich entschieden haben. Die Schotten um Sänger CRAIG B lassen sich aber dennoch nicht nehmen, einen sensationellen Start zu erwischen: Dem brillianten ‘Barriers’ vom neuen Album lassen AEREOGRAMME gleich die beiden Knaller des “Sleep And Release”-Albums folgen: Zunächst das zerstörerische ‘Indiscretion #243′, dann zur Beruhigung ‘Black Path’. Danach sind eigentlich alle Fans schon wunschlos glücklich, komme was wolle. Doch die Gruppe überpowert in der Folge ein wenig, verliert sich zeitweise in Gekreische aus einer längst vergessen geglaubten Bandaera. Zum Ende hin wird’s dann glücklicherweise wieder besser, so dass dann letztlich doch alle Zuschauer, die bis zu den Zugaben ausgehalten haben, glücklich nach Hause gehen.

Insgesamt ein gelungenes WarmUp für die Festivals. Ob wir solch eine Clubtour auch im nächsten Jahr wieder erleben werden, bleibt aber dennoch abzuwarten - die Besucherzahlen waren in einigen Städten der Tour doch eher dürftig.