10 Rue d’la Madeleine - Sur Les Murs
erschienen bei flamingyouth.de:
Es gab ein Fach an der Schule, das wie kaum ein anderes die Schülerschaft spalten kann - das MIA. unter den Schulfächern quasi: Französisch. Entweder man hasst oder man liebt es. Ich zählte mich damals eindeutig zu den ersteren und war dementsprechend froh, als ich diese Sprache endlich abwählen konnte. Jetzt, viele Jahre später, trudelte per Post die Rache in Form von “Sur Les Murs” ein.
Ich gebe es unverblümt zu: Das bisschen, was ich auf französisch sprechen und verstehen konnte, habe ich verlernt. Von dahin kann ich mich gar nicht auf die Texte von 10 RUE D’LA MADELEINE stürzen und konzentriere mich ganz auf die Musik. Diese wird als “wilder Mix aus Chanson und RAGE AGAINST THE MACHINE” gepriesen. Wer jetzt behauptet, so eine Mischung sei nicht möglich, der hat vor allem Recht. Und dennoch weiß der Geheimtipp der zugegeben übersichtlichen französischen Indie-Rock-Szene streckenweise zu überzeugen.
Die Einflüsse, die man unter “Chanson” zusammenfassen kann, beziehen sich lediglich auf den Sprechgesang von BRAD BRONSTEIN sowie den Einsatz von Klarinette und Violine. Ansonsten rocken die Gitarren munter nach vorne, ohne aber an das Format der (noch) legendären RAGE AGAINST THE MACHINE heranzukommen. Und dennoch: Der Opener ‘La Classe Americaine’ und der Chorus-Schrei von ‘Vive La Commune’ überzeugen, bringen neuen, frischen Wind ins CD-Regal. Dann flacht das Debüt des Sextetts aber auch schneller ab, als man “purée de pommes de terre” fehlerfrei aussprechen kann. Alle Ideen scheinen bereits in den ersten beiden Liedern verbraten und in den nachfolgenden 10 Songs wiederaufgewärmt worden zu sein.
Schade, denn es ist bei 10 RUE D’LA MADELEINE definitiv Potential vorhanden.