Sit down & sing 2, 27.01.2007, Knust (HH)

erschienen bei flamingyouth.de:

Im vergangenen Jahr tourten mit LLOYD COLE, CHRISTIAN KJELLVANDER und DIRK DARMSTAEDTER drei Songwriter gemeinsam durch Deutschland und gewannen auf der intimen ersten “Sit down and sing”-Tour eine Menge Herzen. Im Januar ging dieses Konzept nun in eine zweite Runde, Flaming Youth war beim Abschlusskonzert im Hamburger Knust am 27. Januar mit dabei.

Diesmal heißen die Protagonisten WOLKE, KRISTOFER ÅSTRÖM und MARIA TAYLOR. Im Vorfeld macht sich Skepsis breit: Passt das? Ein deutsches Indie-Duo, ein einsamer schwedischer Songwriter und eine US-Sängerin aus dem Hause Saddle Creek - dies klingt zunächst einmal nach einem zufällig zusammengewürfelten Künstlertrio, das gerade verfügbar war. Doch dass sich Tapete Records bei der Auswahl schon etwas bei gedacht hatte, wird bereits beim Auftritt der beiden den Abend einleitenden Kölner von WOLKE klar.

BENEDIKT FILLEBÖCK nimmt an seinem Klavier Platz (übrigens der einzige Musiker, der sich an das “Sit down” hält - dafür singt er aber nicht!), OLIVER MINCK füllt die Melodiespuren dank seiner klaren Stimme mit Leben. Auf den normalerweise eingesetzten Bass und die elektronischen Beats verzichtet das Duo diesmal vollends, was besonders ob des fehlenden Gepluckers zumindest ein kleines bisschen schade ist. Highlights bilden das von MINCK eingespielte Xylophon in ‘Radfahren, lesen, Freunde treffen’, der ‘Walzer No. 1′ im original wiegenden Drei-Viertel-Takt und das auch ohne Bassline überzeugende ‘Second Hand Gefühl’. Und auch die beiden anderen Protagonisten dürfen sich schonmal warmsingen: KRISTOFER ÅSTRÖM duettiert auf dem eingedeutschten QUEEN-Cover ‘Ich will mich befreien’ (’I want to break free’) und MARIA TAYLOR übernimmt wagemutig die Rolle von KLEE-Sängerin SUZIE KERSTGENS in ‘Wir werden immer jünger’ - traurig schön, gerade weil ihr Deutsch auch nach zweieinhalb Wochen noch immer sehr holprig daherkommt.

Als zweites darf dann KRISTOFER ÅSTRÖM ran. Auch er verzichtet zugunsten einer erhöhten Intimität auf seine Backingband HIDDEN TRUCK, eine Akustikgitarre reicht im proppevollen, aber nun mucksmäuschenstillen Knust aus, um seine traumhaften Songs zu begleiten. Gut, dass der einstmalige FIRESIDE-Sänger eines Tages erkannte, dass seine Stimme besser im Northern Blues beheimatet sein sollte. Seine gefühlvollen Lieder über die Liebe und den damit meist verbundenen Kummer begeistern auch die Zuschauer im Knust. Und auch der Schwede lädt seine Tourbegleiter zum gemeinsamen Musizieren während seines Sets ein: MARIA TAYLOR unterstützt ihn bei seinem herzzerreißenden ‘Better than the Night’, und beim ELVIS-Cover ‘Always on my Mind’ darf dann auch OLIVER MINCK nochmal ins Mikrofon hauchen. Herrlichst!

Den krönenden Abschluss dieses lauschigen Abends bildet dann schließlich MARIA TAYLOR. Diese hat vergleichsweise eine richtige Big Band mitgebracht und betritt gemeinsam mit ihrem Bruder MACEY am Bass und dem Gitarristen DAN MCCARTHY von ihren Saddle Creek Labelmates THE GOOD LIFE die Bühne. Die AZURE RAY-Sängerin hat mit “Lynn Teeter Flower” (VÖ 02.03.) ein neues Werk im Schlepptau. Mit ihrer zauberhaften Stimme liefert sie bereits die ersten Kostproben ab, zieht die geringfügig spärlicher besetzten Reihen im Knust vom ersten Moment an in ihren Bann. Zu ‘Not a Lovesong’ darf auch KRISTOFER ÅSTRÖM nochmal auf die Bühne, und wieder ist man ganz fasziniert, wie gut die Stimmen der beiden Künstler harmonieren. Das Publikum ist begeistert, und spätestens bei der phänomenalen Zugabe brechen dann alle Dämme: Alle Musiker der “Sit down and sing”-Tour stehen noch einmal gemeinsam an den Mikrofonen und singen Cindy Laupers “Time after Time”. Eine musikalische Sternstunde. Und so wünscht man sich dann auch insgeheim, dass die Musiker nach diesem perfekten Abschluss nicht noch einmal auf die Bühne zurückkehren. Ja, auch dieser Wunsch wird einem an diesem Abend erfüllt…

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