Ed Csupkay - Das Tier in mir
erschienen bei flamingyouth.de:
Musikrichtungen und die damit verbundenen Irrtümer - Teil 73: Was ist eigentlich Folk? 42% der Befragten antworteten mit “FIDDLER`S GREEN”. Weitere 34% faselten etwas von den DUBLINERS und einer kleinen grünen Insel. Die restlichen 24% antworteten sicherheitshalber gar nicht und nippten lieber weiter an ihrem Guinness. Fürwahr: Es steht nicht gut um dieses Genre. Doch ED CSUPKAY (gesprochen: Tschupkai) ist aufgebrochen, um dies zu ändern. Und es könnte ihm sogar gelingen!
“Das Tier in mir” ist das Debütalbum eines Mannes, der lange Zeit als Tourmanager von Bands wie MOTÖRHEAD, ANTHRAX und MONSTER MAGNET gearbeitet hat. Und man hört es seiner rauchigen Stimme in jedem gesungenen Wort an: ED CSUPKAY hat in seinem Leben schon eine Menge erlebt. Das Fundament seiner Songs bilden eine Akustikgitarre, die Lap Steel der lebenden Legende TEX MORTON, die vom Sänger selbst eingespielte Mandoline und Geige. Doch auch immer wieder gern aber dennoch selten gehörte Instrumente wie Akkordeon, Mundharmonika oder Hammondorgel - letztere übrigens eingespielt von SVEN REGENER, zugleich Produzent des Albums und größter Förderer von CZUPKAYs Talent. Kein Wunder also, dass der Bremer mit ungarischen Wurzeln dessen Band ELEMENT OF CRIME im Februar supporten darf.
Nichtsdestotrotz passt diese Tourkonstellation aber wie die Faust aufs weinende Auge. In CSUPKAYs Liedern geht es um Herzschmerz, um die große Kunst des Vergessens (oder doch eher ums Nicht-Vergessen-Können), ums Verlassen und Verlassenwerden. Passend dazu dümpeln die bedrückenden Lieder maximal im Mid-Tempo rum. Mal ist ED CSUPKAY dabei dem Blues ganz nah, mal dem Country. Mal glaubt man sogar, einen neuen alten FINK-Song zu hören. Und auch seine ungarischen Wurzeln hört man immer wieder raus. Doch trotz der zumeist rauhen Songs: Die zuckersüßen Melodien in ‘Loch in der Brust’ oder der abschließenden Hymne ‘Holstein’ könnten sogar beinahe zum fröhlichen Schunkeln einladen - wenn nur diese deprimierenden Texte nicht wären.
Keines der zehn Lieder möchte geskippt werden, jeder Song für sich ist eine traurige Perle. “Das Tier in mir” ist daher ein mehr als beachtliches Debütalbum. Folk’s not dead!