Archive for January, 2007

max Min - Bright Is The Silence

Wednesday, January 24th, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

An dieser Stelle muss ich einfach mal unserem südlichen Nachbarland ein Lob aussprechen: In Österreich wird nicht nur Ski gefahren, dort wird bisweilen auch tolle Musik geschrieben! Und damit meine ich jetzt nicht unbedingt FALCO, die ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG oder unser aller Liebling CHRISL STÜRMER. Da gibt es durchaus noch mehr: NAKED LUNCH zum Beispiel, VELOJET, FLORIAN HORWATH. Und jetzt ganz frisch eingetroffen: Der Songwriter MAX TERTINEGG aka MAX MIN.

Den Übersong seines verträumten Debüts “Bright Is The Silence” setzt der Grazer gleich an den Anfang: Bei ‘Easy Song (Just 4 Chords)’ öffnet sich das Herz, sobald die Akustikgitarre erklingt. Und spätestens wenn MAX MINs Stimme lossäuselt, hat der Österreicher bereits gewonnen. Das Besondere an TERTINEGGs ruhigen Gitarren-Popsongs sind die sich wie ein roter Faden durch das Album ziehenden, eingestreuten Störgeräusche, die die musikalischen Kleinode aber sehr unterstützen. Hinzu kommt die facettenreiche Instrumentierung mit Bläsern, Klavier und sogar einem Kazoo, abgerundet durch leichtes elektronisches Geplucker, welches MAX MIN sonst gerne bei seinem Zweitprojekt FIAGO einsetzt.

Stimmlich erinnert MAX TERTINEGG oftmals an ELLIOTT SMITH, musikalisch ließ er sich nach eigenen Angaben hingegen hauptsächlich von den BEATLES beeinflussen - auch keine schlechte Wahl! Die Fab Four hört man dann auch immer wieder heraus, zum Beispiel beim Einstieg zum theatralischen ‘Lie’. ‘I Don’t Let You Go’ mausert sich in seinen vier Minuten zu einer wahren Hymne, ‘Roll Back Time’ wiederum steckt tief verwurzelt in den Siebzigern. Und ‘Happy Worst Day’ lässt letztlich dann doch der E-Gitarre kurzzeitig freien Lauf - wenn auch nur ganz gemächlich.

So ist “Bright Is The Silence” ein Album geworden, das nur auf den ersten Moment monoton wirkt, nach mehr und mehr Hördurchgängen aber seine ganzen Feinheiten und eben auch Skurrilitäten offenbart. Gut gemacht, MAX!

Brand New - The Devil And God Are Raging Inside Me

Tuesday, January 23rd, 2007

erschienen bei flamingyouth.de:

“Déjà Entendu” hieß das letzte Werk von BRAND NEW, das Ende 2003 gerade in dem Moment das Licht der Musikwelt erblickte, als “Emo” nur noch als Schimpfwort taugte. Das zweite Album der Band um JESSE LACEY polarisierte die Rockwelt, denn zwischen Songs der zum Albumtitel passenden Marke “Schonmal gehört” gesellten sich mit ‘Sic Transit Gloria… Glory Fades’ und ‘The Quiet Things That No One Ever Knows’ auch einige echte Perlen. Nach über drei Jahren geben BRAND NEW nun endlich ein neues Lebenszeichen von sich.

Zunächst gemächlich suhlt sich JESSE LACEY in Leid und Selbstmitleid: “I was losing all my friends, was losing some to drinking and some to driving” lauten die ersten Worte von ‘Sowing Season’, während zwei Gitarren ihn in aller Ruhe begleiten. Und man spürt es vom ersten Ton an: Es ist die Ruhe vor dem Sturm, der tatsächlich nach exakt 64 Sekunden einsetzt. In diesem Moment haben BRAND NEW endgültig gewonnen, die jahrelang nagende Frage kann nun endlich beantwortet werden: “Ja, sie gehören zu den Guten!” Die Gitarren röhren episch durch die Gegend, ein gebrülltes “Yeah” reicht bei diesen Klangwelten schon vollkommen als Chorus-Text aus.

‘Millstone’ macht genau dort weiter: Wieder beweist das Quartett aus Long Island, dass das in den Neunzigern so beliebte Laut-Leise-Schema auch heute noch salonfähig ist, wenn man es nur gut genug verkauft. Doch keine Bange, BRAND NEW haben sich auf ihrem Major-Debüt nicht einfach zwölfmal selbst kopiert - das wäre auch zu einfach! Auf ‘Jesus’ wartet man fünfeinhalb Minuten lang vergeblich auf den überraschenden Wutausbruch und wird gerade deshalb letztlich überrascht. Dann der mehrstimmig gebrüllte Chorus in ‘Degausser’ in bester Kneipen-Manier oder der Orkan ‘Limousine’, der sich über fast acht Minuten bildet, aufbauscht, verzieht.

Auch wenn BRAND NEW in der zweiten Hälfte des Albums das famose Anfangsniveau nicht vollends halten können, haben sie mit “The Devil And God Are Raging Inside Me” ein beachtliches Werk abgeliefert, das man für seine Jahresendabrechnung ganz tief im jammernden Hinterkopf haben sollte.